Geballte Kraft verleiht dem Q7 Flügel


240 kW oder 326 PS samt einem rekordverdächtigen Drehmoment von 760 Newtonmeter lassen aus dem leer rund 2,5 Tonnen schweren Audi Q7 einen echten Bruder Leichtfuß werden - und das gleich in des Wortes zweifacher Bedeutung. Vom Fahrzeuggewicht, daß beladen deutlich über die Tonnen anwachsen kann, spürt der Fahrer angesichts dieser Diesel-Power nichts, und wer sich dem unbeschwerten Fahrgefühl hingibt, gerät allzu leicht in die Versuchung, die zulässigen Geschwindigkeiten zu überschreiten. In 6.4 Sekunden durchbricht der Q7 mit dem Achtzylinder-TDI bereits die 100-km/h Marke und erreicht in der Spitze 240 km/h. Beides sind für die Klasse der großen Sport Utility Vehicle (SUV) ebenfalls rekordverdächtige Werte, die beeindrucken. Doch schon nach kurzem Kennen lernen und dem Austesten der Werte beim Beschleunigen und auf der Autobahn beginnt man die wahren Vorzüge von Leistung und Drehmoment zu erkennen und zu genießen. Nichts kann einen erschüttern; souverän beherrscht man von seiner hohen Fahrerposition aus alle Verkehrssituationen. Falls man es nicht anders will, beruhigt dieser Q7 ungemein. Die Gelassenheit am Steuer ergibt sich aber nicht nur aus dem überlegenen Leistungsangebot. Das Q7-Ambiente trägt seinen Teil dazu bei. Auch der Innenraum strahlt die bei Audi gewohnte Mischung aus Solidität und Sportlichkeit aus, die das Gefühl von Überlegenheit unterstützt, dass Hahnenkämpfe auf der Autobahn überflüssig werden lässt. So mancher wird lieber den Luxus an Bord genießen. Mit einer Länge von 5,09 Metern und einem Radstand von exakt drei Metern ist der Q7 deutlich größer als alle anderen Geländegänger der heimischen Hersteller. Und obwohl Walter da Silva ein sehr geschmeidiges Design gefunden hat, das den Geländegänger mit hoher Schulter, schmalem Fensterband, geschwungener Dachlinie und stark geneigten C-Säulen recht sportlich aussehen lässt, kann und will der erste Audi-Geländewagen der Neuzeit sein Format gar nicht verbergen. Obwohl der Q7 optisch ein gewaltiges Dickschiff ist und auch vom Fahrersitz aus das erhabene Gefühl von schierer Größe und souveräner Masse vermittelt, macht der Zweitonner bei den Testfahrten einen überraschend agilen Eindruck. Zwar ist man in schmalen Altstadtgassen oder in engen Parkhäusern froh und dankbar für die rückwärtige Einparkhilfe und die Option auf eine Rückfahrtkamera. Doch in freier Wildbahn kommt man mit der großen Fuhre ungewöhnlich schnell und gut voran. Kurvige Landstraßen meistert der Q7 deshalb ebenso sportlich und schnell wie lange Autobahnabschnitte oder natürlich auch mal eine Schotterpiste. Innen schafft das üppige Format Platz für bis zu drei Sitzreihen mit sechs oder sieben Plätzen, die so variabel sind, dass sich insgesamt 28 Konfigurationen ergeben. So können die Plätze in der zweiten Reihe in Längsrichtung individuell verschoben werden. Außerdem lassen sich beide hinteren Reihen mit wenigen Handgriffen flach zusammen klappen, so dass ein Laderaum mit 2 035 Litern Fassungsvermögen entsteht. Als Fünfsitzer bietet der Q7 Platz für 775 Liter Gepäck und damit mehr als alle Wettbewerber. Unter der großen Haube mit dem gewaltigen Single-Frame-Grill startet der Q7 mit dem 4,2 Liter großen V8-Motor. Er beschleunigt den Q7 augenscheinlich mühelos in 7,4 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf 248 km/h. Allerdings verbraucht er dabei im Mittel 13,6 Liter. Für sparsame Europäer gibt es dazu als Alternative den drei Liter V6-Diesel mit 171 kW/233 PS mit serienmäßigem Partikelfilter, dem bei 500 Nm Drehmoment ebenfalls nur selten die Puste ausgeht. Er braucht für den Spurt 9,1 Sekunden. erreicht 216 km/h und ist im Mittel mit 10,5 Litern zufrieden, so dass er fast 1 000 Kilometer ohne Tankstopp schafft. Für die Verteilung der Kraft sorgt - wie könnte es anders sein - der Quattro-Antrieb, der bei Audi gerade seinen 25. Geburtstag feiert. Rein mechanisch und ohne elektronische Hilfsmittel lenkt er das Drehmoment im Normalbetrieb wie beim neuen RS4 zu 40 Prozent nach vorn und zu 60 Prozent nach hinten, was für eine sehr agile Auslegung des Q7 spricht. Lässt die Traktion an einzelnen Rädern nach, wird die Verteilung blitzschnell verändert. Dazu spendiert Audi dem Q7 eine Reihe elektronischer Helfer: So stabilisiert das ESP nun auch Gespanne, hilft bei steilen Abstiegen und verfügt über einen Offroad-Modus. Der Tempomat hält Abstand zum Vordermann, ein Radarauge hilft beim Bremsen. Und der neue „side assist“ unterstützt den Fahrer künftig beim Spurwechsel.