Opel Zafira – Mit Kraft und frischer Schminke


Opel schickt den Zafira mit neuer Kraft und frischer Schminke in die zweite Halbzeit: Rund drei Jahre nach dem Debüt der zweiten Generation und kurz vor dem zweimillionsten Produktionsjubiläum bekommt die Großraumlimousine jetzt ein dezent aufgefrischtes Design und drei neue Motoren, die mehr Leistung bei weniger Verbrauch versprechen. Weil der Markt für Vans wie den Zafira in den letzten Jahren allerdings alles andere als einfach geworden ist, kann Opel sich trotz der Modellpflege keinen Preisaufschlag erlauben: Auch mit mehr Leistung kostet der Siebensitzer deshalb nicht mehr Geld und steht weiterhin für 21 210 Euro in der Liste. Um die Neuauflage überhaupt zu erkennen, muss man außen allerdings schon sehr genau hinschauen. Erst dann sieht man die frisch geschnittenen Stoßfänger an Front und Heck, die breitere Chromspange vor der etwas stärker gefalteten Motorhaube und die neuen Leuchten, die vorn nun einen Chromeinsatz tragen und hinten einen SD-Effekt bekommen. Viel leichter zu erkennen gibt sich der neue Jahrgang beim Blick in die Modellübersicht. Nicht umsonst schließlich sind drei der zehn Motoren neu oder zumindest überarbeitet. Davon profitieren vor allem die Diesel-Kunden, deren Anteil in den nächsten Jahren weiter steigen soll. Statt der bisherigen 1,9-Liter bekommen sie nun an der Basis zwei neue 1,7-Liter mit 110 und 125 PS, die bei weniger Hubraum bis zu zehn PS mehr Leistung versprechen. Auf der einen Seite bedeutet dies bessere Fahrleistungen, und auf der anderen Seite weniger Verbrauch und eine geringere Kfz-Steuer, rechnen die Verkäufer vor und bauen vor diesem Hintergrund auf steigende Zulassungszahlen. Beide Motoren verbrauchen im Mittel 5,7 Liter (152 g CO2 pro Kilometer) und erreichen 179 bzw. 189 km/h. So ganz ausgemustert ist der 1,9-Liter aber noch nicht. Die 120 PS-Variante bleibt in Kombination mit der Automatik im Programm, und auch das 150 PS starke Spitzenmodell in der Diesel-Palette überlebt die Überarbeitung unbeschadet. Einen sparsameren und trotzdem stärkeren Motor kann Opel auch bei den Benzinern bieten. Dort legt der 1,6-Liter im Einstiegsmodell um 10 auf 115 PS zu, ist aber mit seinem Normverbrauch 7,0 Litern (CO2: 169 g/km) knapp fünf Prozent genügsamer als früher. Und der bessere Sprinter ist er obendrein: Bis Tempo 100 braucht er 13,4 Sekunden, und Schluss ist jetzt bei 185 km/h. Darüber gibt es unverändert vier weitere Benziner mit 1,8 bis 2,2 Litern Hubraum, die ein Leistungsspektrum von 140 PS bis 240 PS abdecken, sowie den Erdgas-Motor im 1.6 CNG, der 94 PS leistet und mit einem CO2-Ausstoß von 138 g/km die sauberste Alternative im Modellprogramm ist. Zwar hofft Opel mit dem Facelift auf eine steigende Nachfrage. Doch den Niedergang der kompakten Vans werden die Hessen damit kaum stoppen können: Während die kompakten Geländewagen nach einer Analyse von Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer zwischen 2005 und 2008 um 70 Prozent zulegen, geht der Anteil der Großraumlimousinen um beinahe 20 Prozent zurück. Kein Auto unter den Top-Ten registriert deshalb Zuwächse. Sondern sogar der Marktführer Touran büsst drei Prozent ein. Für den Zafira rechnet Dudenhöffer über die drei Jahre mit einem Minus von beinahe 20 Prozent, und am schlimmsten trifft es in dieser Klasse den Renault Scenic mit beinahe 30 Prozent. „Nur mit dem schwachen Gesamtmarkt kann man das sicher nicht erklären“, gesteht Opel-Sprecher Stefan Weinmann ein und nennt als Ursache vor allem die zunehmende Segmentierung des Marktes: „Die Zeiten, in denen man mit drei, vier Baureihen alle Kunden bedienen konnte, sind endgültig vorbei.“ Deshalb verlieren die Vans nicht nur an die kompakten Geländegänger, sondern auch an die nächst kleineren Großraumlimousinen. Für den Zafira ist das zwar schade, doch unter dem Strich mangelt es den Hessen nicht an Zuversicht: Zusammen mit dem Meriva sind sie in Europa komfortabel Marktführer. Und wenn im Frühjahr als dritter „Monocab“ der neue Agila dazu kommt, wird es schwer sein, das Trio zu schlagen.