BMW 1er – Der Benjamin lässt die Hüllen fallen


BMW treibt die Familienplanung beim Einser weiter mit aller Macht voran. Nachdem die Bayern dem Fünftürer im letzten Jahr bereits den Dreitürer und das Coupé zur Seite gestellt haben, rollen sie nun rechtzeitig vor dem Frühlingsanfang und - was ein Zufall - zeitgleich mit der Premiere des offenen Audi A3 als vierte Spielart der Einstiegsbaureihe das Einser Cabrio ins Rampenlicht, Wie sein Ingolstädter Hauptkonkurrent aber anders als sein großer Bruder in der Dreier-Reihe bekommt der Viersitzer dafür zur Markteinführung am 5. April ein klassisches Stoffdach, das er auf Knopfdruck voll automatisch binnen 22 Sekunden fallen lässt. Der Preis steigt gegenüber dem technisch weitgehend identischen Coupé um knapp 5 000 Euro und beginnt bei 28 550 Euro. Damit ist der offene Einser zwar ein wenig teurer als der Audi A3, bietet dafür aber auch die stärkeren Motoren und die bessere Ausstattung. Dabei beweisen die Bayern einmal mehr, dass die ältere Technik nicht immer die schlechtere ist. Denn erstens sieht das Cabrio offenen wie geschlossen etwa im Vergleich zum Dreier einfach authentischer aus und hat zudem den knackigeren Hintern. Zweitens schrumpft der Kofferraum im Open-Air-Betrieb nur um 45 auf noch immer respektable 260 Liter. Und drittens können ungeduldige Sonnenanbeter oder regenscheue Schön-Wetter-Fahrer das Verdeck nun bis Tempo 40 auch während der Fahrt öffnen und schließen. Und mit der Fernbedienung funktioniert das Spiel natürlich auch. Zwar folgen die Bayern einem alten Prinzip, doch haben sie sich zumindest ein paar neue Details einfallen lassen: Die Ledersitze gibt auf Wunsch mit einer Spezial-Beschichtung, die sich in der Sonne nicht mehr so stark aufheizt und deshalb nach der Kaffeepause in der Eisdiele vor einem schmerzhaft heißen Hintern schützt. Die Klimaanlage schaltet bei geöffnetem Verdeck automatisch in den Cabrio-Modus. Ein in den anthrazitfarbenen Stoff eingewebter Glanzfaden lässt den Verdeckstoff in der Sonne wie Metall schimmern, und ein praktischer Transportsack macht das Cabrio zusammen mit der übergroßen Durchreiche zum Lademeister unter den Frischluftfreunden. Für ein Mountainbike wie bei Audi reicht es zwar nicht. Doch zumindest Ski und Snowboard und natürlich die beiden obligatorischen Golf-Bags schluckt der Einser damit problemlos. Wie für viele andere Cabrios gibt es zudem natürlich serienmäßig zwei automatisch ausfahrende Überrollbügel hinter den Fondsitzen und auf Wunsch ein Windschott, eine iPod-Integration und allerlei anderes nettes Zubehör, mit dem man den 8 000 Euro großen Preisabstand zum offenen Dreier mühelos egalisieren kann. Für den nötigen Fahrtwind im offenen Einser sorgen vom Start weg fünf Motoren. An der Basis steht der 143 PS starke Zweiliter im 118i, der es bereits auf 209 km/h bringt. Darüber rangieren als weitere Vierzylinder der 120i mit 170 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h sowie der 120d, der 177 PS leistet und die Frisur mit 223 km/h auf die Probe stellt. Die Spitze markieren der 218 PS starke und 238 km/h schnelle Sechszylinder im 125i und der omnipotente 135i, der mit seinen 306 PS jeden anderen Kompaktklässler zum Leistetreter stempelt. 250 km/h sind für ihn deshalb nur ein theoretisch gesetztes Limit und nicht das Ende der Fahnenstange. Weil die Bayern auch das Cabrio mit Bausteinen aus dem Effiecient-Dynamics-Programm bestücken, ein intelligentes Energiemanagement sowie eine Schaltanzeige und die Start-Stopp-Funktion für die meisten Handschalter einbauen, sind die Verbrauchswerte moderat: Der Diesel braucht im Mittel 5,1 Liter, und für die Benziner stehen 6,3 bis 9,4 Liter in der Liste. Cabrios in der Kompaktklasse gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch lässt man Hardtop-Versionen wie den VW Eos einmal außen vor, genießt BMW am oberen Ende des Preisrahmens die Lufthoheit fürs Erste noch alleine. Keiner ist näher am Original, keiner ist stärker motorisiert und kein anderer bietet in dieser Klasse Heckantrieb an. Das macht den Einser zum Sportler unter den offenen Viersitzern in dieser Liga, der mit 120 Kilo zusätzlicher Versteifung so solide wirkt wie der Tresor einer Schweizer Bank und trotzdem so leichtfüßig und präzise durch die Kurven schneidet, als führe man mit einem Keramikmesser durch eine Buttercreme-Torte. Zwar ist das Cabrio die mittlerweile vierte Variante der bayerischen Einstiegsbaureihe, die bis dato bereits über 500 000 Mal gebaut wurde und so langsam zur echten Erfolgsgeschichte aufsteigt. „Doch komplett ist die Familie damit noch nicht“, sagt Projektleiter Armin Hildisch und bestätigt einmal mehr den Bau eines kompakten Geländewagens in der Einserfamilie, der „ab 2009 marktreif sei“. Weitere Modellvarianten wären zwar denkbar, kommentiert er Überlegungen für einen sportlichen Kombi im Stil eines Shooting Breaks, aber momentan eher unwahrscheinlich. „Natürlich schauen wir ständig in alle Richtungen, aber weitergehende Pläne gibt es derzeit nicht“