Volvo XC60 – Nachwuchs für den König der Wikinger!


Ein echter Volvo muss ein Kombi sein. Diese Regel ist schon lange überholt. Zwar sind die Limousinen S40, S60 und S80 zumindest im europäischen Straßenbild noch immer unterrepräsentiert, und das Cabriocoupé C70 nicht viel mehr als ein charmanter Exot. Doch mit dem kompakten C30 als moderner Interpretation des legendären Schneewittchensarges und vor allem mit dem Geländegänger XC90 haben die Schweden sich erfolgreich von der Monokultur verabschiedet. Und jetzt machen sie den nächsten Schritt: Weil sie ihre Jahresproduktion eher kurz- als mittelfristig auf 600 000 Autos steigern wollen und derzeit kein Segment so stark wächst, wie das der kleinen Geländewagen, stellen sie dem „König der Wikinger“ den kompakten XC60 zur Seite. Rund 4,50 Meter lang und wahrscheinlich mindestens 35 000 Euro teuer kommt der nordische Cousin von Land Rover Freelander und Ford Kuga bei uns nach den Sommerferien in den Handel. Stilistisch orientiert sich der XC60 zwar stark an seinem großen Bruder. Doch als erstes Modell aus der Feder des neuen Designchefs Steve Mattin ist der kleine Geländegänger deutlich sportlicher geraten. Über dem kraftbetonten Unterbau mit großer Bodenfreiheit, robusten Stoßfängern und breiten Schultern schwebt deshalb eine ausgesprochen sportliche Kabine: Die Frontscheibe steht überraschend schräg, die Dachlinie fällt sanft nach hinten ab und die von schlanken LED-Rückleuchten flankierte Heckklappe neigt sich tapfer gegen die Fahrtrichtung. Außerdem hat Mattin nicht nur mit Hilfe des vermutlich größten Volvo-Logos aller Zeiten die Präsenz des Wagens erhöht: „Wer heute sagt, er erkenne einen Volvo aus hundert Metern Entfernung, dem sage ich: Mit dem XC60 geht das aus zweihundert Metern – mindestens“, rühmt er seinen Entwurf.
Das neue Design macht den XC60 für Volvo-Chef Frederik Arp „zum aufregendsten Auto“ in der Firmengeschichte. Doch das allein wird den Erfolg nicht garantieren. Deshalb ist der kleine Allradler auch „der sicherste Volvo aller Zeiten“, sagt der Chef und verspricht für ihn „das gesamte Know-how und sämtliche Technologien, die uns derzeit zur Verfügung stehen“. Neben den üblichen Airbags und elektronischen Helfern meint das wohl vor allem den neuen Aufmerksamkeitswarner, die Spur-Führungshilfe und das „City-Safety“-System, das im XC60 seine Weltpremiere feiert. Konzipiert für dichten Verkehr bei niedrigem Tempo soll es durch automatisches Bremsen Auffahrunfälle in der Innenstadt vermeiden. Während die Schweden in Sachen Sicherheit Neuland betreten, findet man unter der überraschend hohen Motorhaube nur alte Bekannte. Zum Start gibt es dort die Wahl zwischen einem drei Liter großen Reihensechszylinder mit 285 PS und einem 2,4 Liter großen Fünfzylinder-Diesel, der je nach Programmierung der Elektronik 163 oder 185 PS leistet. In der ersten Welle wird es diese Motoren nur in Verbindung mit einem Allradsystem geben, das seine Kraft variabel zwischen den Achsen verteilt. Doch mittelfristig dürften nicht nur kleinere Benziner nachgeschoben werden, sondern auch eine Sparversion mit Frontantrieb ist in Kombination mit dem schwächeren Diesel bereits fest versprochen. Sie wird nicht nur den Preis noch einmal drücken. Sondern mit ihr sinkt auch der CO2-Ausstoß auf ein halbwegs vertretbares Niveau von 170 Gramm pro Kilometer. In Fahrt gebracht wird der 1 200 Kilo leichte Flachmann von einem 1,6 Liter großen Direkteinspritzer aus der Kooperation mit BMW. Statt in der Serie etwa im 207 RC oder demnächst auch im 308 nur 175 PS leistet der kleine Turbo im Showcar allerdings 218 PS und macht befreit von allen Lärmschutzgesetzen einen gewaltigen Radau. Während der Lader das Lied von der Leistung singt, die zur Mitte gerückten Endrohre allen Umstehenden den Marsch blasen und die sechs Gänge nur so durch das neue Getriebe flutschen, beschleunigt der RC-Z binnen sieben Sekunden auf Tempo 100 und stürmt danach munter voran. Während andere Showcars allenfalls im Schritttempo bewegt werden dürfen, wirkt dieser Wagen so reif und solide, dass einem selbst die Höchstgeschwindigkeit von 238 km/h keine Sorgen macht. Aus dem hohen Entwicklungsgrad auf die guten Aussichten der Studie zu schließen, wäre zwar verfrüht, sagt Designer Reinmöller. „Denn alle unsere Studien sind voll einsatzfähig“. Doch so ganz abnehmen will man ihm die Dementis doch nicht. Nicht umsonst schließlich erinnert jeder im Team an die Studie Vinqueur. Angeblich ebenfalls ohne konkrete Absichten war sie der 1999 der Star der Automessen, und anderthalb Jahre später stand sie als 206 CC auf der Straße. Wenn das mal kein gutes Omen ist.