Mit dem Renault Mégane unterwegs –
Wegen extravagantem Design –
„In ein versöhnliches Blechkleid geschlüpft.“

Nach sechs Jahren geht bei Renault jetzt der neue Mégane an den Start. Der Golf der Gallier kommt Ende November als praktischer Fünftürer zu unveränderten Preisen ab 16 900 Euro nach Deutschland. Sechs Wochen später folgt ein ebenso sportlicher wie schnittiger Dreitürer, der im Prinzip 500 Euro mehr kostet. Weil es ihn aber nur mit den stärkeren Motoren und besserer Ausstattung gibt, beginnen seine Preise bei 19 350 Euro. Nachdem der Vorgänger mit seinem extravaganten Design und seinem eigenwilligen Heckbürzel viele Kunden verschreckt hat, drehen die Franzosen die Schraube jetzt ein wenig zurück und stecken den Hoffnungsträger in ein versöhnliches Blechkleid. „Wir haben unsere Lektionen gelernt und daraus die Konsequenzen gezogen", sagt Entwickler Christian Steyer mit Blick auf die runden, gefälligen Formen, die aus dem Provokateur von einst einen charmanten Verführer macht.

Die Frontpartie wirkt trotz der Fußgängerschutzanforderungen flach und sportlich, die Scheinwerfer ragen wie beim Laguna weit in die Flanken, und die Motorhaube hat drei markante Falze, die vorn wie die Spitze eines Pfeils zusammen laufen. Die Seitenansicht wirkt glatt, fließend und elegant und endet in einer stabilen Schulter. Und wo der letzte Mégane noch eine breite C-Säule und einen kuppelförmigen Abschluss hatte, endet der neue Fünftürer jetzt mit einem weichen Schwung, wie man ihn zum Beispiel vom Mazda 3 kennt. Der Dreitürer dagegen ist deutlich flacher, duckt sich tiefer auf die Straße und trägt das hohe Heck eines Sportwagens. Zwar fühlt man sich dort im Fond ein wenig beengt, kann durch die kleine Dreiecksscheibe kaum richtig nach draußen schauen, der Fahrer sieht durch die Schießscharte von Heckscheibe allenfalls einen kleinen Ausschnitt des Verkehrsgeschehens, und jeder Koffer muss mühsam über eine hohe und breite Brüstung gehievt werden. Doch sieht das Mégane Coupè schärfer aus als alles was die Franzosen seit dem Alpine auf die Räder gestellt haben. Innen wirkt der Mégane ähnlich nobel wie der VW Golf - zumindest in den gehobenen Ausstattungsvarianten: Alle Bauteile sind liebevoll ausgewählt und ordentlich verarbeitet, und ob einem der digitale Tachos neben dem analogen Drehzahlmesser nun gefällt oder nicht, ist alleine eine Frage des Geschmacks. Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Denn sechs Airbags, ESP und angeblich sogar mehr Crashtestpunkte als beim VW Golf sind ebenso Standard wie die Klimaanlage, die Servolenkung und das CD-Radio mit MP3-Funktion. Und gegen Aufpreis gibt es unter anderem eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, zwei verschiedene Navigationssysteme allerdings ohne Festplatte, ein großes Glasdach sowie ein schlüsselloses Zugangssystem geben. Und natürlich hat der Golf der Gallier auch Anschlüsse für iPods und USB-Sticks. Außerdem bietet der neue Mégane spürbar mehr Platz. Immerhin ist der Wagen um rund neun Zentimeter in die Länge gegangen und misst nun in beiden Varianten 4,30 Meter. Vorn geht es deshalb sehr geräumig zu. Und auch hinten kann man bequem sitzen. Nur große Passagiere müssen auf den Kopf aufpassen, damit er nicht gegen den leicht eingezogenen Dachholm knallt. Am meisten allerdings spürt man von der neuen Raumordnung im Gepäckabteil, das immerhin 50 Liter zulegt und nun beim Dreitürer 377 und beim Fünftürer 405 Liter misst. Dass sind über zehn Prozent mehr als beim Hauptkonkurrenten aus Wolfsburg. Zu den Motoren: Basisbenziner im neuen Mégane ist der 1,6 16V mit 74 kW/100 PS (Fünftürer) oder 81 kW/110 PS (Fünftürer und Coupè), der im Februar 2009 durch eine Variante für den Betrieb mit Biokraftstoff Ethanol 85 ergänzt wird. Top-Benziner im Coupè ist der neu entwickelte Turbomotor mit zwei Liter Hubraum und 132 kW/180 PS. Im Frühjahr 2009 komplettiert der TCe 130 dazu. Der 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbo leistet 96 kW / 130 PS und bietet 190 Nm maximales Drehmoment. Der Durchschnittsverbrauch des Downsizing-Triebwerks liegt bei 6,5 Litern Superbenzin (156 g/km CO2). Das Dieselangebot mit serienmäßigem Rußpartikelfilter umfasst einen 1,5-Liter-Motor mit 66 kW/90 PS (nur Fünftürer) und 78 kW/106 PS (ab Januar 2009) sowie dem umfassend überarbeitetes 1,9-Liter-Aggregat dCi 130 mit 96 kW/130 PS. Ab April 2009 ergänzt der dCi 160 FAP mit zwei Litern Hubraum und 118 kW/160 PS die Motorenpalette. Die beiden 1,5-Liter-Aggregate verbrauchen durchschnittlich 4,5 bzw. 4,6 Liter pro 100 Kilometer. Dies entspricht Emissionen von 118 g/km bzw. 120 g/km. Gegenüber dem Vorgängermodell wächst der Mégane Fünftürer in der Länge um 8,6 Zentimeter auf 4,30 Meter und bietet mehr Platz für Passagiere und Gepäck.

Bei der ersten Testfahrt macht der Hoffnungsträger der Franzosen eine ganz ordentliche Figur: Der Fünftürer fährt grundsolide und ist so abgestimmt, dass wirklich jeder damit glücklich werden kann - auch wenn frankophilen Kunden das weiche Durchschwingen fehlt und ambitionierte Fahrer weniger Unterstützung der Servolenkung einfordern würden. Der Dreitürer dagegen ist spürbar strammer ausgelegt, hat die direktere Lenkung und wurde voll und ganz auf Fahrspaß getrimmt. Heißspornen kann das nur recht sein, für Herrenfahrer dagegen ist er die falsche Wahl.