Mit dem Tiguan unterwegs –
Ein Volkswagen zum durchwühlen.

Da muss man sich erst mal durchwühlen! Nein, nicht mit dem neuen Tiguan durch den Schlamm, sondern mit dem Kopf durch die Ausstattungsvarianten des neuen Kompakt-SUVs von Volkswagen: „Trend & Fun“, „Sport & Styte“, „Track & Field“ - so heißen die verfügbaren Außen- und Innenausstattungen. Dazu gibt es zwei Fahrzeugfronten, die „18-Grad“- und die „28-Grad“-Version und außerdem noch einen speziellen Offroad-Modus. Doch der Reihe nach: Ich bin zwei Modellvarianten gefahren, den 150 PS TSI und den 140 PS TDI. Zunächst mit fünf Motoren. Alte Motoren, die VW für den Tiguan anbietet, sind aufgeladen. Es wird drei Benzin-Direkteinspritzer geben, die 150, 170 und 200 PS leisten, wobei der 200-PS-Motor nicht mit der aktuell zum Beispiel im Golf GTI eingesetzten Maschine identisch ist; es handelt sich vielmehr um eine komplette Neuentwicklung. Ganz neu sind auch die Dieselantriebe: Endlich löst Volkswagen die recht laut nagelnde Pumpe-Düse-Einspritzung ab und setzt komplett auf Common-Rail-Vierzylinder. Die zwei TDI-Motoren für den Tiguan leisten 140 und 170 PS. Trendwende beim Grill:

Schauen wir uns das kleine SUV von außen an. Beim Kühlergrill wurde der besonders vom Passat bekannte, weit heruntergezogenen „Plakettengrill“ zurückentwickelt und deutlich reduziert. Das steht dem Auto gut und macht es zum freundlichen Lächler. Die Scheinwerfer ziehen sich weit in die Seiten hinein. Der Stoßfänger wirkt kraftvoll und die seitlich integrierten runden Nebelscheinwerfer im Porsche-Look bilden einen markanten Abschluss. Insgesamt macht der Tiguan einen sehr souveränen und wegen der weit ausgestellten Radläufe sogar einen wuchtigen Eindruck. Er ist aber keinesfalls protzig und in sich stimmig - vielleicht ist die mittlerweile 16. Modellreihe von Volkswagen sogar die Schickste. Viel Platz in der Hütte: Steigen wir in den Tiguan ein. Das Platzangebot auf den Vordersitzen ist sehr groß. Der Beifahrersitz lässt sich so weit nach hinten schieben, dass selbst 1,90-Meter-Leute die Spritzwand mit den Schuhen nicht mehr erreichen. In der Breite gibt es ein paar Millimeter mehr als im Golf Plus und einige Millimeter weniger als im Touran. Man sitzt angenehm hoch und hat einen guten Rundumblick. Die hintere, um 16 Zentimeter verschiebbare Bank ist etwas höher angeordnet, so dass sich auch hier angenehmes Reisen einstellen kann. Bequeme Sportsitze: Das Cockpit präsentiert sich in bekannt übersichtlicher VW-Qualität mit hochwertigen Materialien und gibt keinen Anlass zur Kritik. Die Sportsitze unseres Tiguan „Sport & Styte“ sind mit einer Lordosenstütze ausgerüstet. Sie sind sehr bequem und geben einen guten Seitenhalt. Kofferraum: 470 bis 1.510 Liter: Der Kofferraum des 4,43 Meter langen Tiguan fasst 470 Liter. Bis zu 1.510 Liter und 650 Kilogramm Zuladung lassen sich nach Umklappen der im Verhältnis 60:40 teilbaren Rücksitze transportieren. Spezielle Abdeckungen decken die Lücken ab, die beim Umlegen entstehen. Praktisch: Die hinteren Sitzelemente können einzeln um 16 Zentimeter verschoben werden und deren Lehnen lassen sich in Längsrichtung in einem Neigungsbereich von 23 Grad einstellen. Sicherheit wird groß geschrieben: Der Tiguan biete eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit zwei Front-, zwei Seiten- und zwei Kopfthorax-Airbags. Optional können für hinten noch zwei Seitenairbags dazu bestellt werden. Der Beifahrer-Airbag lässt sich mit einem Schlüssel deaktivieren, auf der Rückbank finden sich Isofix-Verankerungen für Kindersitze. Bei der 18-Grad-Front ist die Motorhaube für den Fußgängerschutz optimiert worden, um Beinverletzungen abzumildern. Im EuroNCAP-Crashtest erreichte der Tiguan die Maximalwertung von fünf Sternen. 150 PS aus 1,4 Liter Hubraum: Zunächst fuhren wir den 150-PS-TSI-Motor, der seine Kraft mittels Kompressor und Turbolader aus nur 1,4 Liter Hubraum holt. Beim Anfahren im ersten Gang scheint der Motor ein wenig träge, obwohl sein kräftiges Drehmoment von 240 Newtonmeter bereits ab 1.750 U/min bereitsteht. Ab 2.000 bis 2.500 Touren kommt die Maschine aber erst so richtig. An Steigungen muss man oberhalb von 4.000 Umdrehungen bleiben, damit es zügig vorangeht. Dann knurrt die Maschine, aber nicht böse, sonder eher liebevoll und ein wenig sportlich wie der Golf GTI. Immerhin beschleunigt der Tiguan 1.4 TSI in 9,3 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 192 km/h. Zu begrüßen ist, dass der Motor mit einer Sechsgangschaltung ausgestattet ist, die sich zudem präzise und leicht führen lässt. VW gibt einen Gesamtverbrauch von 8,4 Liter Superbenzin an, unser Bordcomputer zeigte aber trotz sehr zurückhaltender Fahrweise (etwas anderes ist in und um Budapest auch gar nicht möglich) zirka zwei Liter mehr an. Zum Vergleich: Der BMW X3 2.0 ist mit 9,0 Liter angegeben, der RAV4 2.0 mit 8,6 Liter. Diesel macht Druck: Der 140-PS-TDI hat uns noch besser gefallen - kein Wunder, bei ebenfalls 1.750 U/min steht hier ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter an. Die Mehrleistung von 33 Prozent ist in der Praxis gewaltig. Der Zweiliter-Turbo braucht zwar auf dem Papier eine Sekunde mehr auf 100 km/h als der TSI, nämlich 10,4 Sekunden. Doch subjektiv erscheint der Druck von unten heraus viel besser und speziell mit der gut abgestimmten Sechsgang-Automatik - das Doppelkupplungsgetriebe DSG wird im allradgetriebenen Tiguan nicht eingesetzt - ergibt sich ein größerer Fahrspaß als im handgeschalteten Benziner. Die Höchstgeschwindigkeit des Einstiegsdiesels wird mit 186 km/h angegeben. PKW-ähnlicher Fahrkomfort: Ganz ohne Wanken geht es beim Tiguan in Kurvenfahrten allerdings nicht. Der BMW X3 kann das auf alte Fälle besser, ist dafür aber auch knallhart gefedert und daher nicht jedermanns Sache. Allenfalls der hierzulande seltener anzutreffende Honda CR-V beherrscht den Spagat zwischen Sportlichkeit und PKW-Fahrkomfort noch ein wenig besser als der Tiguan. Im Übrigen sind auch die Bremsen des Tiguan ohne Fehl und Tadel.


Fazit: Viel Allrad zum angemessenen Preis. Volkswagen kommt mit dem kompakten SUV Tiguan mal wieder als letzter großer Hersteller auf den Markt. Wie schon bei den Vans Sharan und Touran oder dem höher gesetzten Golf Plus hat die Konkurrenz teilweise schon seit einigen Jahren Angebote in den jeweiligen Segmenten. Doch Volkswagen hat auch gezeigt, dass die späten Produkte immer besonders gut beim Publikum ankamen und meist zu Marktführern in ihren Segmenten wurden. Dazu bringt auch der Tiguan gute Voraussetzungen mit. Das markante Design, die modernen Motoren, der hochwertige Allradantrieb und das PKW-artige Fahrverhalten gepaart mit guter Verarbeitung und Preisen, die durchaus im Rahmen bleiben, werden dem Tiguan zum Erfolg helfen. Nicht zuletzt werden auch die innovativen Angebote wie Festplatten-Navigation, Park-Assist, Offroad-Modus, Panorama-Schiebedach und die hohe Anhängelast von 2.500 kg - allerdings nur in den Spitzenmotorisierungen.

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