Mit dem Golf VI in Island unterwegs – Der Golf VI
ist ein sicher besseres Auto. Mehr Golf geht fast nicht.

VW hatte mit Island einen ungewöhnlichen Ort für die erste Fahrvorstellung des Golf VI gewählt. Der Plan: Die schroffe Landschaft und die besonderen Lichtverhältnisse sollen eben den Blick der Autotester für die vielen Änderungen und Neuerungen schärfen. Die Saat ist aufgegangen: Wir haben mit dem Golf VI ein fühl- wie sichtbar besseres Auto erfahren als es die 2003 eingeführte fünfte Generation war.

Optisch bietet der Golf VI einige nennenswerte Neuerungen. Mit seinen dunkel umrandeten Scheinwerfer blickt der Wolfsburger fordernder, während die Frontschürze ihm ein frisches Lächeln ins Gesicht zaubert. Prägnante Lichtkanten in den Flanken und die stärker herausgearbeiteten Radhäuser sorgen für eine präzisere und hochwertigere Aura. Wie bisher wird das Heck von mächtigen C-Säulen dominiert. Heckklappe und -schürze wurden hingegen modifiziert. Unter anderem die flacheren Rückleuchten lassen das Hinterteil breiter, kraftvoller und weniger pummelig wirken. Kein Wow-Effekt: Trotz zahlreicher Änderungen bietet das überarbeitete Design keinen Wow¬-Effekt. Vielleicht liegt es aber in der Natur des Isländers, dass er im Straßenverkehr den Golf VI mit wenig Beachtung strafte. Die behutsame Optik-Evolution ist allerdings Kalkül. Die Erfolgsgeschichte seines Megasellers will VW mit Kontinuität statt mit harten Brüchen fortschreiben. Irgendwie macht das Sinn. Auch der Innenraum bietet verhalten mehr Glanz als bisher. VW betont dabei die Detailversessenheit, mit der das Interieur aufgewertet wurde. Allerdings war bereits beim Golf V die Qualität bemerkenswert gut. Doch neue Materialien, mehr Chrom-Applikationen und eine bessere Verarbeitung sorgen für einen insgesamt gehobenen Qualitätseindruck. Neu sind im Armaturenträger gut ablesbare und dank ihres Röhrendesigns sportlicher anmutende Rundinstrumente. Ein neues Sportlenkrad bietet neben einer haptischen Aufwertung außerdem noch praktische Bedientasten für den Bordcomputer. Unser Testwagen sorgte in der gehobenen Ausstattung Comfortline mit Ledersitzen und dem großartigen Highend-Navisystem RNS 510 für nobles Wohlfühl-Ambiente und eine vielseitige Funktionalität. Die unveränderten Platzverhältnisse sind vorne wie hinten tadellos. Auch der Kofferraum ist mit seinen 350 Litern so groß wie zuvor. Die Erweiterungsmöglichkeiten beschränken sich wie gehabt auf eine geteilt umlegbare Lehne der Rückbank. Mit dem maximal 1.350 Liter großen Stauraum lassen sich im Golf viele Transporte bewältigen. Wer einen flexibleren und funktionaleren Golf mit mehr Kofferraum wünscht, muss weiterhin entweder den Plus oder den Variant wählen. Ein besonderes Augenmerk hat VW auf die Reduzierung der Innenraumgeräusche gelegt. So sorgen im Golf VI eine neue Akustikfrontscheibe, neue Dämmmaterialien und ein Aerodynamik-Feinschliff für reduzierte Fahrt-, Wind- und Abrollgeräusche. Neben dem Akustik hat VW auch den Abrollkomfort des im Kern fast unveränderten Fahrwerks verbessert. Die sechste Generation gleitet dank einiger Detailoptimierungen noch sanfter über den Asphalt. Hinzu kommt eine präziser wirkende Lenkung. Besonders feinfühlig präsentierte sich das adaptive Fahrwerk DCC. Für gut 900 Euro Aufpreis bietet es die Wahl zwischen einer komfortablen und betont sportlichen Abstimmung. Im Komfortmodus rollte der Golf mit nie gekannter Sanftheit besonders kommod über den harten isländischen Asphalt. Im Sportmodus verhärten sowohl Federn als auch Lenkung und schärfen in beeindruckender Weise die wie gehabt hohen dynamischen Talente des Golfs. TSI und DSG überzeugen: Beeindrucken konnte uns auch der besonders empfehlenswerte 1,4-TSI-¬Motor mit 122 PS in Kombination mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DSG. Im Stand hört man den Vierzylinder eigentlich nicht. Auch im Fahrbetrieb ist akustische Zurückhaltung angesagt. Dennoch sind die Fahrleistungen sehr ordentlich. Nach nur 9,5 Sekunden ist der 100-km/h-Sprint beendet, mit 200 km/h gibt VW die Höchstgeschwindigkeit an. Optionen so weit der Geldbeutel reicht: Für den Wolfsburger Dauerbrenner kann man aber noch deutlich mehr ausgeben. Als aufpreispflichtige Innovationen bietet die sechste Generation das halbautomatische Einparksystem Park Assist, den Spurhalter Lane Asssist, die automatische Distanzregelung ACC und eine Rückfahrtkamera. Entscheidet man sich zumindest für einen Teil der verfügbaren Komfort- und Sicherheits-¬Optionen, steigt der Preis für den 1.4 TSI mit 122 PS auf über 30.000 Euro. Im Umfeld der Mitbewerber ist der Golf weiterhin kein Schnäppchen. Gegenüber der Generation V ist der Preis aber nur um 200 auf 16.500 Euro gestiegen. Angesichts der leicht besseren Basisausstattung (mit Klima und sieben Airbags) ist die Neuauflage damit sogar um wenige Euro günstiger als bisher. Doch bleibt der Golf insgesamt ein recht hochpreisiger Vertreter der Kompaktklasse.


Fazit: Bereits der Golf V war ein beeindruckend gutes Kompaktauto, bei dem man sich die Frage stellen konnte, was man eigentlich noch verbessern kann. VW hat eine klare Antwort gegeben: Die Generation VI stellt den 2003 vorgestellten Golf V in vielen Punkten in den Schatten. Die modernen Motoren, das hervorragende DSG, das referenzverdächtige DCC-Fahrwerk oder das Highend-Navi RNS 510 erhöhen seine Attraktivität deutlich. Hinzu kommen eine bessere Qualität innen wie außen, zahlreiche neue Individualisierungsmöglichkeiten und eine verringerte Innenraumakustik.




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