Mit dem Porsche Panamera quer durch Deutchland – Imponierende Alltagstauglichkeit, keine Starallüren.

Endlich ist sie da, die sagenhafte vierte Baureihe vom Sportwagenspezialisten Porsche. Über kein anderes Auto aus Deutschland ist zuletzt so viel gesprochen worden wie über den Porsche Panamera. Doch nach über zwei Jahren des Vorgeplänkels ist jetzt Schluss mit dem Gerede, die Theorie weicht der Praxis und drei Monate vor dem Verkaufsstart Mitte September steht der erste Porsche unter den Luxuslimousinen endlich zur Probefahrt bereit. So also fährt sich der schnelle Viersitzer, der nun zum Sturm ins Oberhaus ansetzt. Ich hatte die Gelegenheit, den Panamera ausgiebig zu testen. Sieht man einmal vom weiten Raum und dem neuen Design ab, merkt der Fahrer kaum einen Unterschied zum Elfer - zumindest in der Längsdynamik ist der Panamera ein waschechter Sportwagen: Schon der vorläufige Basismotor, ein 4,8 Liter großer V8 mit 400 PS und 500 Nm beschleunigt den Zweitonner in 5,4 Sekunden auf Tempo 100, und der Turbo mit 500 PS und 700 NM schafft das sogar in 4,2 Sekunden. Wer dazu die Doppelkupplung bestellt, ist bei beiden Varianten noch zwei Zehntel schneller.


Ich hatte die Gelegenheit, noch vor dem offiziellen Verkaufstermin den Panamera auf seine Alltagstauglichkeit quer durch Deutschland zu testen. Was dabei herauskam, war aller Ehre wert – aber lesen sie bitte: 20 000 Panamera will man weltweit pro Jahr verkaufen, der Krise zum Trotz. Ich hatte jetzt die Chance, anhand der Testfahrten drei wesentliche Fragen zu beantworten: Passt denn der voluminöse Sitzriese auch hinten ins Auto? Ist das denn wirklich noch ein Porsche? Und ist er wirklich so gut, wie seine Entwickler uns weismachen wollen? Beginnen wir also mit drei kurzen Antworten: Ja, der Sitzriese passt sogar hinten hinein, dank einer geschickten Anhebung des Dachhimmels im Heckbereich. Aber er würde seinen Panamera ohne Schiebedach kaufen, um vorn mehr Kopffreiheit zu gewinnen. Und trotz seiner knapp fünf Meter Länge und einem Gewicht von fast zwei Tonnen ist auch der Panamera ein Porsche, sogar einer, der die sanfte Gangart beherrscht, wenn man das will. Außerdem kann man getrost feststellen, dass seine Entwickler den Mund nicht zu voll genommen haben. Kann ich mir den Wagen mal ansehen? fragte uns ein Passant in Mittenwald. Na klar. Machen Sie bitte mal den Kofferraum auf? Die Frage werden auch die Porsche-Verkäufer oft zu hören bekommen. Der Mann, ein Targa-Fahrer war zufrieden: Das ist ja der erste Porsche mit Kofferraum„ stellte er zufrieden fest. In der Tat öffnet sich unter der großen Heckklappe ein Gepäckabteil von 445 Litern, das sich auf 1250 Liter mit ebenem Boden vergrößern lässt. Vier Golfbags passen hinein, versicherte uns ein Porsche-Techniker später. Erst danach ging der Mann um den Wagen herum: Der sieht ja wirklich aus wie ein Porsche. Stimmt. Die Designer haben sich große Mühe gegeben, wo immer es ging, Ähnlichkeiten zum 911-er zu schaffen. Auch beim Panamera schaut der Fahrer zwischen den hohen Kotflügeln hindurch auf die Straße, was weder tatsächlich noch mental die Perspektive einengt. Auch beim Panamera hat er in den Rückspiegeln zunächst die typischen, breiten Schultern im Blick und dann erst den Verkehr. Die Silhouette folgt ebenfalls dem Beispiel des 911-er, nur eben gestreckter, aber mit 1,42 Metern Höhe erstaunlich niedrig. Unser Zaungast setzte sich auf den Fahrersitz, streichelte die in Leder verkleidete Armaturentafel, fand die Sitze hervorragend und stellte fest, er sitze wirklich in einem Porsche. Walter Röhrl, Ex-Weltmesiter, fuhr mit mir den Panamera über Bayerns kurvenreiche Straßen. Am meisten Einfluss auf den Charakter haben aber die beiden Schalter „Sport“ und „Sport plus“, die wir auch schon beim 911 Turbo kennen gelernt haben. Drückt man sie nicht, benimmt sich der Panamera wie eine sehr sportliche Limousine. Wer seinen Panamera lieber etwas direkter reagieren lassen und dennoch auf Fahrkomfort nicht verzichten möchte, ist mit „Sport“ gut bedient. Hat man alle Regelsysteme an Bord, lässt die „Sport plus“-Taste den Panamera zum Sportwagen werden, dessen Handling und Fahrverhalten in dieser Klasse nicht noch einmal zu finden sind. Die Spreizung zwischen den einzelnen Modi ist also spürbar. Wer einen der modernen Porsche kennt, findet sich im Panamera gut zurecht. Er muss nur eines bedenken: der Panamera misst in der Breite stolze 1,93 Meter. Hat man das verinnerlicht, vergisst man rasch, in einem langen Viertürer zu sitzen. Uns hat natürlich der Panamera Turbo mit seinem Allradantrieb, dem serienmäßigen Porsche Doppelkupplungsgetriebe (PDK) mit sieben Stufen, allen elektronischen Helferlein und Keramik-Bremsen am meisten gelockt. Dessen Achtzylinder mit 4.8 Litern Hubraum leistet 368 kW / 500 PS und wuchtet bei Overboost kurzeitig stolze 770 Newtonmeter Drehmoment an die Räder. Die Folgen sind eine Beschleunigung in 4.2 Sekunden von null auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit knapp oberhalb 300 km/h. Der Normverbrauch liegt bei 12,2 Litern auf 100 km, entsprechend 286 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Nach der Tour durch Oberbayern nannte mir der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 13,6 Litern, was angesichts der sehr schnellen Etappen auf der leeren Autobahn und den Spurts über die Berge eher wenig schien. Der Panamera S mit Heckantrieb und 294 kW / 400 PS braucht 5,6 Sekunden bis zur 100 km/h-Marke und schafft 285 km/h. Sein Verbrauch liegt im Schnitt bei 12,5 Litern, mit PDK allerdings nur bei 10,8 Litern. Die Werte für den allradgetriebenen Panamera 4S mit serienmäßigem PDK liegen bei 5,0 Sekunden. 282 km/h und 11,1 Litern. Später soll noch ein Sechszylinder mit 300 PS folgen. Auch diese Werte sprechen eine deutliche Sprache: der Panamera ist ein Porsche, allerdings einer für die ganze Familie und einem, wenn gewünscht, sanften Charakter. Er wird auch so manchen Manager, Unternehmer oder Wüstensohn begeistern, denn er setzt Maßstäbe, erfüllt Träume und bleibt dennoch ein Mobil mit Alltagstauglichkeit, das es Finanzbeamten leichter ertragen lässt, wenn er als Firmenwagen zugelassen werden soll. Der Viertürer aus Zuffenhausen ist so gut wie perfekt, wenn man es sich leisten kann und mag. Der Panamera S hat einen Basispreis von 94 575 Euro, der 4S von 102 251 Euro und der Turbo von 135 154 Euro. Wem das zu popelig ist, dem wird die Aufpreisliste bei Porsche auch dieses Mal wieder ausreichend Gelegenheit zu mehr geben. Wie wäre es denn zum Beispiel mit dem hervorragenden Soundsystem von Burmester? Dem Sitzriesen hat es jedenfalls gefallen, auf der bayerischen Landstraße Bachs eindrucksvolle Toccata und Fuge für Orgel in voller Lautstärke zu hören.





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