Mit dem Nissan 300 ZX quer durch die DDR, „Kohlunfall“ sorgte für Stau.

Jetzt, 6 Jahre vor der Wiedervereinigung, teste ich den Nissan 300 ZX, fuhr mit diesem in die DDR und erlebte einige haarsträubende Hindernisse. Ich schrieb damals unter dem Namen Peter Brünnchen, aber auch das war für die „Stasi“ kein Hinerungsgrund, den Bericht unter der Stasi-Akte abzulegen. Heute, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, kann man nur noch lächeln – damals war es mir anders zu Mute, Edgar Herrmann, 9. November 2009

Es gibt in „Osteuropa“ bestimmt herrliche Landschaften, aber Straßen, die Teststrecken gleichen, aber nicht so deklariert sind, kann man in der DDR überall antreffen. Mit dem Nissan 300 ZX durchfuhren wir 1.000 Kilometer von Nord nach Süd. Bereits an der Grenze gab es die erste Überraschung. Fast zwei Stunden lang wurde das Sportcoupé in einer „Garage“ auseinander genommen, nichts blieb den Augen der DDR-Grenzbeamtin verborgen. Das Testauto wurde in Neuss normal übernommen, aber an der deutsch-deutschen Grenze erhielt ich Anschauungsunterricht bis ins kleinste Detail „nichts blieb Im Dunkeln“. Auf mecklenburgischen Straßen wurde das Fahrwerk auf Herz und Nieren geprüft, Das gut abgestimmte Fahrwerk des Nissan 300 ZX wurde oft an seinen Grenzbereich gebracht. Fußballgroße Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und schmale Straßen lösten sich ab. Verwunderlich, dass beim 300 ZX nichts klapperte. Es ist nicht an der Tagesordnung in der DDR, ein sportliches Fahrzeug vom Kaliber Nissan 300 ZX anzutreffen.


An jeder Ampel wurde der flotte Japaner bestaunt. In der Hafen¬stadt Wismar klebten mir freundliche Autofans ein „DDR“-Kennzeichenschild auf die Stoßstange, hier spielte wohl mehr das Wunschdenken eine Rolle. Überhaupt war der Ehrgeiz vieler DDR-Autofahrer ausgeprägt, mit ihrem knattern¬den Trabant oder Wartburg, den „Westler“ zu überholen. Ich hielt mich streng an das Gesetz, Ordnungshüter in der DDR haben besonders wache Augen auf ka-pitalistische Autos, die Verkehrsüberschreitungen verursachten. Eine weitere Überra¬schung erlebte ich in der Universitätsstadt Greifswald. Auf ei¬nem öffentlichen Parkplatz gab es rund um den Nissan 300 ZX einen Auflauf. Fragen, wie teuer ist das Auto, wie wird das Glas¬dach herausgenommen, wie viel PS hat „der Renner“ waren an der Tagesordnung. Ich stellte bald fest; dass ich auf einem Parkplatz parkte, wo ein 5chwarzautohandel betrieben wurde. Hier standen zehn Jahre alte Trabants für 14.000 Mark, ein Skoda, 7 Jahre alt, für sage und schreibe 19.300 Mark. Die Angebote werden in einen Fen¬sterschlitz eingeworfen, das Auge des Gesetzes sieht den pri¬vaten Autohandel nicht gerne. Für den 300 ZX bot mir ein DDR-Bürger, kaum zu glauben, aber mindestens 100.000 Mark. Auf der Fahrt in Richtung DDR - Hauptstadt Ost-Berlin erlebte ich den lustigsten Zwischenfall. Kurz vor einem geschlossenen Bahnübergang kam es zu einem „Kohlunfall“. Ein offener Last¬wagen, beladen mit vielen hun¬dert Weißkohlköpfen, sollte irgendwo eine russische Kaserne ansteuern. Der Fahrer, ein so¬wjetischer Soldat, bremste so hastig beim Erblicken des Nis¬san 300 ZX, dass sich die Klappen des Lastwagens öffneten und die Ladung Weißkohl auf die Straße und im Garten lande¬te. Ich bot mich an, aufladen zu helfen, dies wurde in russischen Vokabeln „njet“ freundlich aber bestimmt abgelehnt, auch das Fotografieren. Wie lange die Aufladeaktion, der Verkehrsstau und die Rechtfertigung beim Vorgesetzten ausfiel, blieb un¬geklärt. Vor dem neuen Staats¬ratsgebäude (dem DDR-Bundes¬tag) parkte ich unter dem Schild mit Hammer und Zirkel. Viele DDR-Volkskammerabgeordnete warfen dem japanischen Sport¬coupé einen flüchtigen, aber staunenden Blick zu. Fahrerisch gab es während der Testfahrt durch die DDR nichts zu bemän¬geln, ein leichtes Klingeln im Motor verstummte spätestens an westdeutschen Zapfsäulen.




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