Mit dem Audi RS6 5.0 TFSI quattro unterwegs – „Ring frei“ für den RS6 mit 580 PS Kampfgewicht.

Der Streckenposten winkt und ich gebe Vollgas. Der RS6 zieht nach vorn wie ein Airbus auf der Startbahn kurz vorm Abheben. Ein unterdrückt-brüllender Sound bei hohen Touren unterstreicht den Vorwärtsdrang des Audi RS6. Ich schaue kurz auf die Instrumente und kann mich für Bruchteile von Sekunden nicht entscheiden, ob der Drehzahlmesser links oder rechts sitzt. Zumindest biegt sich die Tachonadel mit einem Tempo nach oben, dass es mir schon beim zuschauen schwindlig wird. Deshalb schaue ich lieber wieder auf die Strecke. Es ist der Nürburgring in der Eifel. Und die erste scharfe Rechtskurve naht. Nur kurz lupfe ich den Gasfuß, lenke ein und stehe sofort wieder auf dem Fahrpedal. Der Audi legt sich derart mächtig ins Zeug, dass die nächste Kurve schneller da ist, als ich das erwartet hätte. Aber mir gelingt es, trotz eines irre hohen Tempos, den Wagen sicher um die Biegung zu bringen und mit driftendem Heck sauber in der Spur zu lassen. Okay, in diesem Fall unterstützen der Allradantrieb, das Sportfahrwerk und das ESP mit Sportmodus meine bescheidenen rennfahrerischen Fähigkeiten auf der ehemaligen Formel-l-Strecke mehr als hilfreich. <> 4,6 Sekunden auf Tempo 100:


Doch jemand, der knapp 107.000 Euro bezahlt hat, mein Testwagen kostete 133.909 Euro, wird seinen RS6 eher selten über eine Rennstrecke jagen. Die meisten dieser Super-Sportwagen werden sich ihren Weg im täglichen Straßenverkehr bahnen und bei gelegentlichen Überholvorgängen ihr unwahrscheinlich hohes Potenzial ausspielen dürfen. Denn in der Summe seiner Eigenschaften ist der RS6 ein ebenso rasanter Sportwagen wie praktischer Kombi. Dass er sich in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 bewegen lässt, ist eine Eigenschaft, die man ihm nicht vordergründig ansieht. Obwohl der Kenner den RS6 an ausgestellten Radhäusern erkennt, muss der Laie zweimal hinschauen, wem er da in den Auspuff guckt. Eigentlich sind es zwei Auspuffenden, die das Abgas entsorgen, aber eben nur zwei und nicht vier. Diffusor am Heck: Die Enden rechts und links sind mit einem Diffusor verbunden, der bei diesem Auto definitiv auch strömungstechnische Aufgaben übernimmt, und nicht nur ein Blickfang ist. RS6-Schriftzüge vorn und hinten künden davon, dass dieser Audi gleich zwei Superlative innehat: Er ist mit 580 PS der stärkste Serien-Kombi der Welt und zugleich der stärkste Serien-Audi aller Zeiten. Seine Spitze wird zwar bei 280 km/h eingebremst, aber der letzte Tachowert ist eine „320“. Das lässt ahnen, was drin wäre, wenn nicht die Elektronik einen Riegel vorschieben würde. Konkurrenz von BMW und Mercedes: Dabei muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass es sich um einen Kombi handelt. Eine Karosserieform also, die vordergründig von Familien, Handelsvertretern, Handwerkern und Freizeitsportlern aus eher praktischen und transporttechnischen Zwecken gefahren wird. Die Idee, viel Leistung in einen Wagen mit großer Heckklappe zu packen, ist aber nicht neu und auch der RS6 Avant ist nicht ganz allein auf dem Asphalt: In seiner Liga spielen beispielsweise der BMW M5 Touring mit 507 PS und der Mercedes E 63 AMG mit 514 PS. V10 mit Bi-Turbo und FSI: Schauen wir uns die Technik hinter der vergleichsweise dezenten Kühlernase an. Der Zehnzylinder-Motor basiert auf den V10¬-Aggregaten, die auch im Audi S6 und im Audi S8 Dienst tun und, ohne FSI-Benzindirekteinspritzung, auch den Lamborghini Sallardo antreiben. Im RS6 leistet der Bi-Turbo-Motor 580 PS zwischen 6.250 und 6.700 Touren. Das maximale Drehmoment von 550 Newtonmeter liegt zwischen 1.500 und 6.250 Touren an. Sechsstufige Tiptronic: Die Kraft wird von dem sechsstufigen Automatikgetriebe Tiptronic auf den Allradantrieb quattro geschickt. Dort werden die Kräfte im Normalfall zu 60 Prozent auf die Hinterräder geleitet. Doch wenn sich die Straßenverhältnisse ändern, verteilt ein Mittendifferenzial die Power blitzschnell um: Bis zu 85 Prozent können auf die Hinterräder fließen, bis zu 65 Prozent nach vorn. Wenn ein Rad durchdrehen sollte, wird es durch die elektronische Differenzialsperre EDS eingebremst. Davon bekommen wir am Steuer natürlich nichts mit, wir erleben nur das Resultat. DRC: Fahrwerk in drei Stufen einstellbar: Eine Besonderheit des Fahrwerks ist die so genannte Dynamic Ride Control (DRC): Das System reduziert Nick- und Wankbewegungen und vermindert somit die Seitenneigung. Gegen einen Aufpreis kann es um eine dreistufig verstellbare Dämpferkennung ergänzt werden. Bequem per Taste können wir einstellen, ob wir unseren RS6 lieber komfortabel gefedert oder sportlich hart möchten. Wobei allerdings „komfortabel“ nicht „weich“ heißt. Der Sport-Kombi ist auch in dieser Einstellung noch deutlich straff gedämpft. Luxus-Sport-Ausstattung: Und so sind wir untergebracht: Die Sportsitze sind bemerkenswert straff und saugen uns regelrecht ein. Wer ein empfindliches Hinterteil hat, sollte beim Ein- und Aussteigen vorsichtig sein, denn die hohen Seitenführungen können am Popo drücken. Dafür verschafft aber das unten abgeflachte RS-Lenkrad, das auf Wunsch verbaut wird, extra-viel Platz beim Zustieg. Materialien wie Carbon, Aluminium und Alcantara versüßen den Aufenthalt an Bord. Ab Werk dabei sind unter anderem ein Bose-Surro und ¬Soundsystem mit 13 Lautsprechern, eine Dualzonen-Klimaautomatik und eine Nappa-Leder-Ausstattung.

Fazit: Lassen wir mal außer acht, dass man sich einen Kombi kauft, weil man etwas transportieren will. Führen wir uns vor Augen, dass wir mit dem RS6 einen Sportwagen der Superlative vor uns haben. Und dass man in diesen Sportwagen nicht nur bequem Einsteigen und sitzen kann, sondern auch ein praktisches Ladevolumen von 1.660 Liter hat. Und dass man diesem Boliden seine Kraft nicht vordergründig ansieht, ist ein weiterer Pluspunkt für den Power-Audi. Dass der RS6 ein reinrassiger Sportwagen sein kann, wenn es sein muss, ist eine wahre Empfehlung für den stärksten Audi. Die Kombivariante ist die Stärkste der Welt.



So einen Dialog kann sich Audi gut vorstellen: Missis X fragt ihren Ehemann: „Was wünschst du dir zu Weihnachten“? „Aber lass mal, ich habe doch schon alles“. „Kleinigkeiten können auch Freude bereiten. Ich denke da an einen Audi“! „Wieso den so bescheiden? Den RS6 könnte ich mir neben dem Porsche und dem SLK in der Garage gut vorstellen, noch dazu brauchen sich die Nachbarn nicht den Mund zu zerreißen“.






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