Mit der Mercedes E-Klasse von Paris nach Moskau: Abenteuer Asien: Diesel Marathon ans Ende der Welt.


Peking - Da kann Katie Melua noch so schön von den "Nine Million Bicycles in Beijng" singen - der Verkehr in der chinesischen Hauptstadt ist gewaltig und hat mit dem Bild vom ländlichen Milliardenreich und dem einsamen Bauern auf seinem Fahrrad nicht mehr viel gemein. Im Gegenteil: Die sicher hundert Meter breiten Einfallstraßen der Acht-Millionen-Metropole sind morgens genau so dicht wie die Peripherique in Paris oder die A5 auf dem Weg nach Frankfurt . Das musste auch Mercedes erfahren, als die Schwaben am Freitag mit ihren 36 E-Klassen zum Finale des großen Diesel-Marathons am Yongding Gate vorfahren wollten und nur mit einer riesigen Polizeieskorte rechtzeitig zum Finale ans Ziel kamen. 28 Tage nachdem Mercedes- Chef Dieter Zetsche die erste von fünf Gruppen in Paris verabschiedet hatte, konnte der oberste Daimler nun die letzte Schicht der insgesamt 360 Fahrer aus 36 Ländern heil und wohlbehalten in Peking begrüßen. Und mit ihnen die Flotte von bunt beklebten Limousinen, die auf den Spuren des ersten transkontinentalen Autorennens 99 Jahre nach der Wettfahrt von Peking nach Paris allesamt unfall- und pannenfrei fast bis ans Ende der Welt gefahren sind. Und das alles nur, um den Langstreckenkomfort und die Qualität der E-Kasse zu beweisen, die vor dem Generationswechsel so heftig kritisiert wurde. Und natürlich, um den Diesel als das überlegene Antriebskonzept heraus zu streichen. Nach zusammen über 400 000 Kilometern Fahrt kommt die Flotte auf einen Durchschnittsverbrauch von nur wenig mehr als acht Litern und stimmt Mercedes-Chef Zetsche zufrieden: "Damit müssen wir uns ganz sicher nicht verstecken." Nicht alle Strecken allerdings waren so einfach und auch für westliche "Langnasen" so leicht zu fahren, wie die erste Etappe von Paris über Stuttgart, Berlin, Warschau und das Baltikum nach St. Petersburg und nun der letzte Streckenabschnitt in die Innenstadt von Peking. Denn dazwischen lagen unter anderem der russische Winter, die kasachischen Landstraßen und fast 5 000 Kilometer in China, die für die Fahrer fast stündlich neue Überraschungen parat hatten. Mal war die Strecke nicht viel mehr als ein schlecht geteerter Feldweg oder eine Sand- und Schotterpiste, die etwa in den Ausläufern der Wüste Gobi fast hundert Kilometer geradeaus mitten ins Nirgendwo führte. Und mal fuhren die Stuttgarter Luxusliner standesgemäß auf neu gebauten. wunderbar breiten Autobahnen. die - sicher auch dank der regelmäßig, aber in bescheidenen Umfang erhobenen Maut - besser in Schuss waren als daheim in Deutschland. Sie werden nicht nur täglich von einem Heer einfacher Arbeiter mit riesigen Reisigbesen von Hand gekehrt und haben einen Asphalt glatt wie ein Baby-Popo, sondern sind zudem auch gähnend leer. Weil die Massenmotorisierung auf dem boomenden Markt gerade erst einsetzt, hindern die Flotte einzig ein paar Überlandbusse, eine handvoll Lastwagen, ganz wenige Pkw und vor allem das Tempolimit von 120 km/h an täglichen Geschwindigkeitsrekorden. Allerdings bleibt der Verkehr nicht immer so ruhig wie auf den Autobahnen im Landesinneren. Auf den Landstraßen müssen die Teilnehmer im Dieselmarathon einen gefährlichen Slalom zwischen hoffnungslos überladenen Traktoren, Eselskarren baufälligen Kleintransportern, chinesischen Pick-Ups mit drei Rädern und offenen Führerhäusern und endlos langen Kohlenlastern fahren. In den Innenstädten suchen sie ihren Weg zwischen hunderten oft völlig überfüllten Bussen, tausenden von Taxen. die mehrheitlich auf dem VW Jetta und dem Santana basieren und Abermillionen Fahrrädern, die außerhalb der Metropolen eben doch noch das Straßenbild bestimmen. Und je näher man der Hauptstadt kommt, desto voller werden auch die Autobahnen. Vom Rost zerfressene Lastwagen mit abgefahrenen Reifen und mühsam geflickter Karosserie blockieren mit Überholvorgängen im Schritttempo immer wieder alle drei Spuren, während schnelle Transporter, Busse oder die zunehmende Zahl von Pkw unbeirrt in die schwarzen Rußwolken der Laster eintauchen und eben einfach rechts auf dem Standstreifen überholen. Nur mit List und Tücke kommt das Feld von 36 Limousinen und mindestens noch einmal so vielen Begleitfahrzeugen deshalb trotz Staus und Straßensperrungen auf eigene Faust an die chinesische Mauer im Dunstkreis der Hauptstadt Und auf dem letzten Stück hält ja zum Glück die Polizei den Weg frei und gibt die Richtung vor. So schaffen es alle Fahrer bis ans Ziel - auch das Taxi, dessen Zähler nun schon seit Paris läuft und mittlerweile fast 20 000 Euro anzeigt. Und auch der gepanzerte Guard, der in seinem kugelsicheren Kofferraum die wichtigste Fracht ans Ende der Welt gebracht hat: Ein paar Flaschen französischen Champagner, die nun m Peking standesgemäß geköpft werden.

(Von Edgar J. Herrmann)



Foto: Auch das ist China. Dieser Schnappschuss gelang aus dem Auto.

Ein total überladenes Moped und die Polizei fährt vorbei und sieht nichts.

Foto: Die Route des Diesel-Marathons fuhrt durch faszinierende Steppen-

und Wüstenlandschaften.



Bilder: Edgar J. Herrmann