Ein aktueller Reisebericht:
"Ägypten zieht magisch an".


Seit jeher hat das Land am Nil eine starke Anziehungskraft auf den Menschen ausgeübt und gilt nicht von Ungefähr als ältestes Reiseziel des Planeten. Für kein Land der Welt lässt sich die Geschichte so weit zurückverfolgen wie für Ägypten! Wissenschaftler und Pilger; Abenteurer oder einfach nur Neugierige sind dem Ruf seiner Exotik erlegen; aber nicht immer waren es willkommene Gäste, denen die normalerweise selbstverständliche arabische Gastfreundschaft zuteil wurde. Auch Napoleon musste trotz seiner Streitmacht gigantischen Ausmaßes vor der überwältigenden Aura der Pyramiden von Gizeh erfasst haben, wie klein und unbedeutend er und sein Gefolge vor der 5.000 Jahre alten Geschichte waren. Nichts hat dieses Land von seiner Faszination seit seinen Ursprüngen eingebüßt; im Gegenteil: Die Herrschaft der Griechen und Römer, die Kirchen und Klöster der frühen Christenheit und die überwältigende Akkumulation von Einflüssen der sukzessiven islamischen Dynastien in Kunst und Architektur haben die Bandbreite der Eindrücke schier überwältigender Superlative nur steigern können, ganz zu schweigen von den göttlichen Geschenken an Natur und Landschaft. Damals wie heute durchzieht der Nil wie eine Lebensader das Land und liefert kostbares Wasser für die landwirtschaftliche Nutzung des fruchtbaren Ufersaums, der sich wie ein grünes Band gegen die Libysche Wüste im Westen und die Arabische Wüste im Osten abhebt. Moderne Flusskreuzer treffen auf die sich seit Jahrhunderten kaum veränderten Feluken der Ägypter und zeigen zwei maßgebliche Perspektiven, aus denen sich der Charme des ewigen Flusses und die große Zivilisation, die sich schon immer rund um den Nil entwickelte, erschließen kann. Die Anzahl der Höhepunkte zwischen Luxor und Assuan ist schier legendär. Hier dreht sich alles um Pharaonen und Dynastien, Götter und Gräber. Während der Hochblüte war Luxor 500 Jahre lang Kapitale des Neuen Reiches und Ramses, Tut-ench-Amun, Sethos, Amenophis und Thutmosis hinterließen ein Erbe monumentaler Architektur, die im Karnak- und Luxortempel, im Tal der Könige und dem Totentempel der Natschepsut ihre Entsprechungen finden. Kein Weg - und selbst nicht der des majestätischen Nil - führt vorbei an Kairo, der größten Metropole des ganzen Nahen Ostens. Vorbei ist es auch mit der Entspanntheit des Südens. Die 17-Millionen-Einwohner-Stadt birst bis ins Unermessliche, und so stehen die Pyramiden von Gizeh als letztes der noch existierenden "Sieben Weltwunder" der Antike heute eigentlich statt in der Wüste an den Ausläufern der Stadt. Jeder kennt die steinernen Kolosse von Fotos, aber vor ihnen zu stehen , ist einfach überwältigend, und auch nach Jahrtausenden erfüllen sie noch immer aufs Vortrefflichste die Absicht ihrer pharaonischen Erbauer: Erfurcht einzuflößen. Westlich der einstigen Hauptstadt Memphis stehen die riesigen Grabmäler aus Kalkstein und Granit dort, wo die Sonne untergeht, im Land der Toten, und versinnbildlichen in ihrer Form die absolute Macht der Pharaos an der Spitze über das Volk an der breiten Basis, das es für sie unter heute unvorstellbaren Bedingungen erbaute - schließlich waren Rad, Flaschenzug und Eisenwerkzeuge damals unbekannt. Die Zahlen sprechen für sich: Man schätzt, dass täglich etwa 4.000 Arbeiter 240 Blöcke á 2 1/2 Tonnen Gewicht abbauen, zuschneiden, transportieren und aufeinander türmen mussten, um die gigantischen Bauwerke zeitgerecht zu errichten, blieben den Auftraggebern in der Regel auf Grund ihrer kurzen Lebensdauer doch nur 20 bis 30 Jahre für die Fertigstellung. Wie kaum ein anderes Bauwerk der Welt regen die Pyramiden zu Spekulationen und Erklärungsversuchen an, und viele Rätsel werden vielleicht nie eine Lösung preisgeben. Über all dem wacht die während Jahrhunderte vom Flugsand zugedeckte Sphinx als "heiliges Symbol der Vereinigung der mächtigsten physischen Kräfte und der höchsten intellektuellen Macht auf Erden" (Harriet Martenau über die Sphinx, 1848). 1.200 Jahre nach der Entstehung des aus dem Felsen gehauenen, liegenden Löwen mit Männerkopf und wahrscheinlich Abbild des Antlitzes von König Cheefren, befreite Thutmosis IV. die Statue vom Sand und gehorchte damit einem Traum, um selbst die Königskrone tragen zu dürfen. Sich einmal wie Kleopatra erfrischen: nichts leichter als das! 290 Kilometer westlich von Alexandria liegt der aufstrebende Badeort Marsa Matruh, ein einstiger Fischerort, in dessen Nähe sich bereits Kleopatra in einer Felsgrotte mit ihrem Liebhaber Marcus Antonius amüsiert haben soll. Der sieben Kilometer lange, weiße Sandstrand gilt als Riviera Ägyptens, und malerische Buchten mit türkisfarbenem Wasser - besonders die des im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare Agila Beach 24 Kilometer westlich des Ortes - sind wie geschaffen, um sich den Staub eines Besuches in der Libyschen Wüste oder der von alten Traditionen und einer eigenen, nichtägyptischen Kultur geprägten Oase Siwa zu entledigen. Keine Fata Morgana: "Insel der Glückseligen" wird sie gerne genannt - kein Wunder angesichts von 250.000 Dattelpalmen und 50.000 Olivenbäumen neben Orangen- und Zitronenhainen inmitten der Wüste, gut 300 Kilometer von der Küste entfernt. Wenn während des Winters Badeaufenthalte am Mittelmeer eher etwas für Abgehärtete werden, locken nach interessanten, aber gleichfalls anstrengenden Besichtigungstouren die modernen Ressorts am Roten Meer zum Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen. Hier liegen die größten Attraktionen unter Wasser: 1.500 Fisch- und 150 Korallenarten warten darauf, "besichtigt" zu werden und die paradiesischen Strände zum süßen Nichtstun. Schwerelos baumelt die Seele in Zeit und Raum und es ist vielleicht zu überlegen, ob die Ägyptenreise eher im elegant, perfekt auf dem Reißbrett entstandenen El-Gouna, im beschaulich-idyllischen Quesir, rundum versorgt in Hurghada, mit den schönsten Korallengärten vor der Tür in Marsa Alam, bei den Beduinen in einzigartiger Wüstenlandschaft in Dahab oder weit weg vom Trubel in Safaga stattfinden soll. Oder möchten Sie einmal Ihre spirituelle Seite befriedigen? Dann könnte Sharm-el-Sheikh, Tor zum Sinai, das Ziel sein: Seit Jahrhunderten besteigen Pilger den Jebel Musa, an dem Moses die Zehn Gebote empfing, folgen den Spuren der Muslime auf dem Weg nach Mekka und dem der Juden auf ihrer Odyssee über das Rote Meer. Eine wahrhaft kosmopolitische Aura mit allen Ingredienzien für einen facettenreichen Urlaub!

Von Edgar J. Herrmann