Breslau, Polens Venedig
- Zwölf Inseln und 112 Brücken -


Breslau, die Hauptstadt der Woiwodschaft / Niederschlesien ist eine der ältesten Städte in Polen. Moderne und Tradition bilden einen reizvollen Kontakt. Prachtvolle Kirchen, sorgsam sanierte Villen, triste Plattenbauten aus der Ostblock-Ära und kühne Neubauprojekte - architektonisch hat Breslau einiges zu bieten. Im Herzen der 650.000 Einwohnerstadt gelegen, gehört der Marktplatz zu einem der schönsten und in baulicher Hinsicht wertvollsten Komplexe in Europa. Häuser aller Stilrichtungen seit der Renaissance umgeben den Marktplatz in dessen Mitte sich das gotische Rathaus befindet. In Breslau stehen 600 Gebäude unter Denkmalschutz - ein europäischer Rekord. Große Teile des Marktes wurden 1045 zerstört und in den 50er Jahren wieder aufgebaut. Die größte Renovierung und Sanierung fand 1996/1998 statt. Seitdem hat sich der schmucke Platz mit seiner enormen Dichte von Cafés, Kneipen und Clubs zu einem Anziehungspunkt für Breslauer und die rund 700.000 jährlichen Besucher entwickelt und verströmt nicht nur in lauen Sommermonaten mediterranes Flair. Das quirlige Leben am Marktplatz zieht auch junges Publikum an, das sich hier nur wenige hundert Meter von der Universität entfernt nach Vorlesungsschluss trifft. Die 1702 gegründete Breslauer Uni ist eine der ältesten Hochschulen in Mitteleuropa. Seit 1901 der Nobelpreis vergeben wird, ging er elfmal an Personen, die mit Breslau und der Uni verbunden sind, darunter Max Born (Physik) und Paul Ehrlich (Medizin). Heute umfasst die Breslauer Uni acht Fakultäten und hat 47.000 Studenten. Party bis zum frühen morgen: Während in der schachbrettartig angelegten Altstadt das Partyleben noch bis weit nach Mitternacht tobt, sind die Oderinseln eher Oasen der Stille. Die 4,5 Hektar große Dominsel gilt als Geburtsort Breslaus, denn dort siedelten schon im siebten Jahrhundert slawische Stämme. Als sich das politische Machtzentrum auf das linke Oderufer verlagerte, blieb die Dominsel das geistliche Zentrum der Stadt. Den architektonischen Mittelpunkt bildet die Johanniskathedrale, die im Zweiten Weltkrieg zu zwei Dritteln zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut wurde. Wechselvolle Geschichte: Politisch hat Breslau eine wechselvolle Geschichte erlebt: "Wer einen einzigen Ort sucht, an dem sich das ganze Drama Europas im 20. Jahrhundert verdichtet erfahren lässt, der findet ihn in dieser Stadt. Breslau ist das Prisma, durch das sich Europas Selbstzerstörung erkennen lässt", schreibt der Osteuropa-.Historiker Gregor Thum. Keine andere europäische Stadt vergleichbarer Größe habe einen ähnlich radikalen Bruch in ihrer Stadtgeschichte zu verzeichnen wie Breslau 1945: In nur drei Jahren wurde die gesamte deutsche Bevölkerung nach West- und Ostdeutschland ausgewiesen. In der verwaisten Stadt siedelte die polnische Regierung Lemberger und Menschen aus Ost- und Zentralpolen an. Ihre Kinder und Enkel haben Breslau längst als ihre Stadt angenommen - und gemeinsam angepackt, als es die Schäden nach der großen Oderflut 1997 zu beseitigen galt. Hütten Sie gewusst, dass… ... Pablo Picasso seine berühmte Friedenstaube in Breslau malte? 1948 besuchte Picasso einen internationalen Friedenskongress in der zerstörten Stadt, und die Zeichnung entstand unter dem Eindruck der Ruinen. ... der Marktplatz in Breslau mit einer Fläche von 3,7 Hektar der zweitgrößte in Polen ist? Größer ist nur der Markt in Krakau, für den er das Vorbild war. ....neun Maler neun Monate lang ununterbrochen am Panorama von Raclawice arbeiteten? Das 15 mal 114 Meter große Rundgemälde steht in einer Rotunde direkt gegenüber dem Hotel Radisson SAS und ist das bedeutendste Kunstwerk dieser Art in Polen. Dargestellt ist die Schlacht bei Raclawice, in der die polnische Armee 1794 unter Führung des Generals Tadeusz Kosciuszki die russische Truppe besiegte. Das Panorama wurde zum 100. Jahrestag der Schlacht am 5. Juni 1894 in Lemberg enthüllt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zerlegt und nach Breslau transportiert. Dort ist es seit 1985 wieder der Öffentlichkeit zugänglich. ... die großen Granitplatten auf dem Vorplatz des deutschen Reichtagsgebäudes in Berlin aus Striegau, 60 Kilometer südwestlich von Breslau, stammen? Schon vor über 100 Jahren wurden aus schlesischen Steinbrüchen die typischen Berliner Gehwegplatten, auch "Charlottenburger Platten" genannt, bezogen. ... die Friedenskirche in Schweidnitz als die größte Holzkirche Europas gilt? Seit 2001 zählt der sakrale Fachwerkbau zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Kirche wurde von 1656 bis 1658 nach einem Entwurf des Breslauer Architekten Albrecht von Saebisch (1610-1688) gebaut und fasst rund 7.500 Personen. Breslauer Informationen: Anreise: Ryanair fliegt fünfmal wöchentlich von Düsseldorf, nach Wroclaw/Breslau. Vom Flughafen fährt die Buslinie 406 zwei- bis dreimal in der Stunde in die Innenstadt (ca. 20 Minuten Fahrzeit). Es gibt auch Shuttle-Busse und Taxis. Unterkunft: Die Stadt bietet insgesamt 6000 Betten in Häusern aller Kategorien. Für den kleinen Geldbeutel gibt es ein breites Angebot von "Touristenhäusern" und "Hostals", auch mit Mehrbettzimmern. Obwohl Polen bereits in der Europäischen Union ist, muss noch mit Zloty gezahlt werden. 1 Zloty entspricht derzeit etwa 30 Cent.

Ausflüge: Das von zahlreichen Kanälen durchzogene Städtchen Opole (Oppeln) und das Riesengebirge sind weniger als 100 Kilometer von Breslau entfernt. Zu Ausflugszielen in Niederschlesien werden organisierte Touren angeboten.

Fremdenverkehrsbüro: Stadtpläne, Prospekte und Zimmervermittlung sowie jede Menge Wroclaw-Andenken vom T-Shirt bis zum Bierkrug. Rynek 14,
täglich 9 bis 21 Uhr, Tel: +48 71/344 31 11. Internet: www.wroclaw.pl/m6929 oder www.wroclaw-life.com.

Von Edgar J. Herrmann