In Indien unterwegs: Besuch beim Maharadscha.


Indien, das einstige Reich glanzvoller Herrscherdynastie, imposanten Bauten, märchenhaften Maharadscha-Palästen, atemberaubenden Landschaften, totaler Rückständigkeit, zufriedener Armut - für Mitteleuropäer fast unvorstellbare Gegensätze. Dies alles, und vieles mehr, bekamen die Teilnehmer einer Reisegruppe hautnah geboten. Nicht zuletzt die gewürzreiche Küche, deren Düfte und Aromen auf Schritt und Tritt gegenwärtig waren. Erste Station der Studienreise war die Hauptstadt Delhi. Bereits beim Verlassen des Flughafengebäudes bekamen viele den ersten "Kulturschock". Hunderte einfacher Bediensteter schliefen und hausten vor der Eingangshalle. In einem Slalom über die teilweise meditierenden und schlafenden Menschenleiber erreichten wir den klimatisierten Reisebus. Delhi, im Dunstschleier der Nacht, zwanzig Kilometer zum Hotel, rüttelte alle Teilnehmer auf. Hier Slums, Armut pur - da mit Marmorplatten gepflegte Gartenanlagen. Fotoapparate klickten, Videokameras liefen auf Hochtouren - fast alles wurde dokumentiert. Sei es das India-Gate, das Humagun-Grabmal, das Rote Fort oder der Ziegenbasar. Einmalig: Von Delhi ging es mit dem schnellsten Zug, dem Shatabdi-Express 250 Kilometer nach Agra. Im "Zug der Reichen" für Europäische Eisenbahnen einfach unvorstellbar, herrschten Temperaturen um die 20 Grad, Zugluft drang aus allen Ecken. Draußen war die Temperatur fast an die 50 Grad im Schatten, der Kreislauf ließ grüßen. In Agra stand der Besuch des weltberühmten Grabmal von 1630, dem Taj Mahal und dem Roten Fort, ein Bauwerk aus rotem Sandstein, auf dem Programm. Zwischendurch wurden die Besuchergruppen ständig von bettelnden, hausierenden und fliegenden Händlern umlagert. Wer nicht handeln konnte, zahlte bis zu 80 Prozent zuviel. Jaipur wurde nach einer siebenstündigen Busfahrt erreicht. Waghalsige Fahrmanöver ließen den Adrenalinspiegel oft hochschnellen. Strapaziös: Eine mächtige Zitadelle, majestätisch thronend auf einem Berg, war einst Hauptsitz der Kachhawa-Herrscher. Der steile Aufstieg erfolgte auf dem Rücken eines indischen Elefanten. Jaipurs bekanntestes Bauwerk ist der fünfstöckige "Palast der Winde" mit seiner nur 50 Zentimeter dicken Fassade, von der aus einst die Frauen des Maharadschas ungesehen die Prozessionen anschauen konnten. Kondition wurde von den Teilnehmern einer Gruppe verlangt. Auf dem Reise-Plan des Tages stand eine siebenstündige Wüstenfahrt nach Bikane. Hauptsehenswürdigkeit des südlichsten Punktes der Reise war das Junagarth Fort. Der Besuch des Ratten-Tempels wurde von der Gruppe abgelehnt. Dort leben Menschen und Ratten auf engstem Raum unter einem Dach. Überhaupt, das Tier hat in Indien durch die Religion einen hohen Stellenwert. Ob Taube, Kuh, Stier, Ziege, Ratte, Hund oder Katze - jedes Lebewesen wird "heilig" behandelt. Es stirbt nur eines natürlichen Todes (wenige Ausnahmen). Letzte Station in diesem Prozess sind die Aasgeier, die reichlich Beute an den Stadt- und Ortsausgängen vorgelegt bekommen. Der Ost-West-Handelsroute entlang ging es nach Mandawa, seit dem 4. Jahrhundert das Mekka für Gewürze, Edelsteine und Seidenstoffe. Unvergessener Höhepunkt dieser Station war ohne Zweifel ein Abend im Castle Maharaja. Die Zeit schien stillzustehen. Auf einem Kamel ritten die Teilnehmer der Reise-Gruppe ins Castle, eine jahrhunderte alte, gut erhaltene Festung, wo auch genächtigt wurde. Schweißgebadet wurde das Abenteuer im Bundesstaat Rajasthan gut überstanden. Ausgangspunkt des 12-Tagestrips in eine andere Welt war wieder Delhi, wo die müden Knochen ein wenig gesalbt wurden. Abwechslungsreich: Das Fazit der Reise kann nur lauten: Einmalig, abwechslungsreich, strapaziös und fast unwiederholbar. Sa geballte Armut (obwohl der Inder nicht verbittert wirkte) und Reichtum nebeneinander, dazu die verschiedenen Religionen mit der Kraft zu überleben und Millionen Menschen in seinen Bann zu ziehen ist für Europäer unvorstellbar. Dennoch ist Indien im Umbruch. Das Telefon und der Computer halten Einzug. Ob es ein Segen für die Bevölkerung wird, bleibt abzuwarten.

Von Edgar J. Herrmann

Foto: Wie im Märchen 1000 und einer Nacht - der tägliche Markt.

Foto: Das Taj Mahal - einer malerische Kulisse.

Foto: Unter dem dicken Baum Schatten und Ruhe gefunden.

Alle Bilder: Edgar J. Herrmann