Irland - Liebe auf den ersten Blick:
Grüne Insel der Glückseligkeit.


"Traumhaft schöne grüne Insel", der Reisende besucht das Eiland Irland im Norden Europas nur einmal oder immer wieder. Land und Leute liebt man sofort oder nie. Mit vielen Klischees können die Iren gut leben, wie z.B. von den sanges- und trinkfreudigen, rothaarigen Menschen auf der Grünen Insel, die zwischen Kirche und Pub pendeln. Irland ist eine Insel im äußersten Nordwesten Europas mit einer Gesamtfläche von 84.421 Quadratmetern, wovon 14.139 auf Nordirland entfallen. An seiner längsten Stelle misst Irland 486, an der breitesten 275 Kilometer. Die irische Küste ist 5.631 Kilometer lang. Das Klima wird vom Golfstrom beeinflusst und ist in der Regel mild, doch häufig sehr feucht und regnerisch. Am kältesten ist es im Januar und Februar mit Tagestemperaturen von durchschnittlich vier bis sieben Grad Celsius, während im Juli und August das Thermometer auf durchschnittlich 16 Grad klettert. Der an der Westküste vorbeiziehende Golfstrom und die feuchtwarmen Südwestwinde lassen in einigen Landstrichen von West Cork und Kerry Palmen und tropische Gewächse gedeihen. 1994 zählte die irische Republik 3.671.000 Einwohner. Etwas 25 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre. Die Hauptstadt Dublin ist mit 915.000 Einwohnern die größte Stadt Irlands. Als weitere Ballungsgebiete gelten Cork, Limerick, Galway, Waterford und Dundalk. Irland leistet sich den Luxus, zwei Amtssprachen zu haben. Zum einen Irisch, beziehungsweise Gälisch, laut Verfassung erste offizielle Landessprache, aber im Alltagsleben kaum von Bedeutung, und Englisch, das in der Verfassung nur den zweiten Rang einnimmt. Gesprochen wird Gälisch heute noch von etwa 100.000 Menschen, vorwiegend im Westen der Insel. Die Landesfarben sind Grün, Weiß und orange, das nationale Wappen ist eine goldene Harfe auf blauem Hintergrund und die Nationalhymne ist der "Soldier's Song", das Soldatenlied. Irland war und ist ein Agrarland. Doch die Ökonomie der Republik verändert sich stark. Während bislang landwirtschaftliche Betriebe acht Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschafteten und 14 Prozent der Arbeitsplätze sowie 21 Prozent der Exporte (hauptsächlich Fleisch, Milchprodukte und Zuchtvieh) stellten, verzeichnen Industrie, Dienstleistungsgewerbe und Tourismus in letzter Zeit hohe Zuwachsraten. So kommen jährlich rund vier Millionen Touristen ins Land und irische Unternehmen exportieren heute Güter (Computer, Arzneimittel, Motor- und Fahrzeugkomponenten) in die EU-Staaten und andere Märkte, die zusammen mit der Sparte "Dienstleistungen" 80 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Autofahren ist ein teurer Spaß. Autos sind in Irland nach wie vor populär. Für europäische Verhältnisse ist Autofahren in Irland eine ziemlich teure Angelegenheit. Der Preis für ein neues Auto liegt beispielsweise um ein Drittel höher als in Großbritannien. Größter Kostentreiber sind dabei die Steuern, denn auf alle neuen Fahrzeuge wird nicht nur Mehrwertsteuer, sondern auch eine Erstzulassungssteuer erhoben. Außerdem muss jeder Fahrzeughalter eine Art Jahreslizenzgebühr bezahlen. Der Abschluss einer Versicherung ist Pflicht, und die Versicherungsraten gehören zu den höchsten Europas. Erst in den letzten Jahren wurde mit dem Bau einiger Autobahnabschnitte begonnen, doch sie beschränken sich vorerst noch auf Zubringerrouten nach Dublin und auf Umgehungsstraßen größerer Städte. Der irische Autofahrer hat zu seinem Fahrzeug eine widersprüchliche Einstellung. Einerseits kostet es ihn ein Vermögen, andererseits vergisst er gerne, es regelmäßig warten zu lassen und die Reifen fährt er eigentlich generell bis zur Fahruntüchtigkeit ab. Irland zu erkunden, ist relativ einfach, sei es mit dem Flugzeug oder per Autofähre, im Pkw auf dem relativ gut zu befahrenden Straßennetz oder gar als Pauschaltour mit dem Bus die Insel zu erobern. Der Linksverkehr verlangt eine kurze Eingewöhnungsphase. Ich wählte die Kombination Bus und Schiffsreise. Vom französischen Hafen Le Havre ging es per Fähre in Richtung Grüne Insel. Nach 12 Stunden wurde sie erreicht. Erste Station Dublin, die Hauptstadt mit ihren fast eine Million Einwohnern. Neben der typischen Großstadthektik hat sie ein etwas ganz eigenes, traditionelles Flair bewahrt. Zauberhaft die frühchristlichen Klosteransiedlungen in Glendalough, Donegal mit seinen weltbekannten Tweed-Webereien und der Fischerort Killybegs mit seinen bunten Häusern und engen Gassen. Der Süden der Insel präsentierte sich typisch Irisch. Schiffe, Berge, liebliche Täler, tiefblaue Seen, das Farbenspiel der Landschaften und endlose Moorgebiete. Dazwischen alte Klostersiedlungen und Castles. Städte wie Galway und Limerick erinnern an die Buren. Nicht zu vergessen das schönste Dorf Irlands, Adare. Eine Pause auf der Dingle-Halbinsel ist Pflicht. Hier sind zahlreiche Zeugnisse prähistorischer und frühchristlicher Kulturen anzutreffen. Über Killarney ins malerische Cahin mit der größten Burganlage des Landes zum Rock of Cashel, dem einstigen Sitz der irischen Hochkönige. Hier wirkte auch Irlands Schutzheiliger, St. Patrik, der im Jahre 450 nach Christus die hl. Dreifaltigkeit am Beispiel eines Kleeblattes erläutert haben soll. Pub ist mehr als ein Trinkertreffpunkt. Überall im Land trifft man auf "Singing Pubs", Kneipen mit Musik. Für die Iren, die hier auf ein oder mehrere Gläser Guinness oder "uisce beatha" (whiskey) zusammenkommen, gibt es nichts Schöneres als in ungezwungener Atmosphäre ein Volkslied anzustimmen, eine Melodie auf der Fiedel (fiddle) zu spielen und manchmal ein paar Tanzschritte aufs Parkett zu legen. Irische Pubs und Musik haben sich längst als echter Exportschlager erwiesen. Allein in den letzten fünf Jahren sind rund um den Globus beinahe 8000 "Irish Pubs" eröffnet worden. In Irland selbst gibt es fast 12.000 Pubs, wobei manche kleine 200-Seelen-Gemeinde schon auf vier oder fünf kommt. In mehr als 2.000 serviert man auch kleinere Speisen, während andere Tanzabende veranstalten oder Gästezimmer offerieren. Viele Pubs sind Familienbetriebe und übernehmen oft eine Doppelfunktion, denn die Gäste können zwischen den Zapfhähnen Lebensmittel und Haushaltswaren erstehen. Vor noch gar nicht so langer Zeit war ein Pub eine absolute Männerdomäne. Frauen waren nur in einem kleinen, abgeschotteten Raum geduldet, dem sogenannten "snug". Aber diese Zeiten sind vorbei. Frauen wie Männer gehen heute regelmäßig ins Pub. Und auch bei der jüngeren Generation ist das Pub noch immer ein ernstzunehmender Konkurrent zu Clubs und Discos. Die Musik, die man in den Pubs zumeist hört, ist ein Teil einer alten Tradition der mündlichen Überlieferung. Da es den Iren unter der Herrschaft der Engländer oft verboten war, Bücher oder Gedichte zu verfassen, verbreiteten sie ihre politische Einstellung durch Balladen, komponierten und sangen Weisen, in denen sie ihre Freuden, ihre Träume und ihren Schmerz über Hungersnöte und Auswanderung zum Ausdruck brachten. Diese Tradition wird auch heute in der Musik von irischen Musikern wie Ernya, den Chieftains, Christy Moore, den Cranberries, U2 und anderen fortgesetzt. Wohin auch immer es die Iren auf Erden verschlagen hat, sie haben ihre "mystische" Musik mitgenommen, deren Wurzeln in Irland liegen und die jeden Abend in der warmen Atmosphäre eines Pubs aufgesaugt werden kann. Denn es ist sozusagen ihr zweites Wohnzimmer. Hier trinkt man lieber als in der eigenen guten Stube, hier wird diskutiert, gemeinsam wichtige Sportereignisse im Fernsehen verfolgt oder einfach nur gesungen und Geschichten erzählt. Der Barkeeper ist ein Allroundtalent, von dem viel verlangt wird: Er ist Philosoph, Beichtvater, Sympathisant und Streitschlichter in einer Person - und natürlich kann keiner ein besseres Glas (Pint) Guinness zapfen als er. Doch nach wie vor ist das Guinness das Nationalgetränk, ein dunkles, nahrhaftes Bier oder wie die Iren sagen Stout (stout = stark, Starkbier), gebraut aus gemalzter Gerste. Ein gutes Guinness muss sorgfältig gelagert werden, langsam ins Glas laufen, einige Zeit ruhen und schließlich fachmännisch nachgefüllt werden, bis sich ein cremiger Schaumrand bildet. Kreative Küche - nicht nur für Kenner. Wer mit irischem Essen nichts weiter als Stew oder Salzkartoffeln verbindet, der darf sich getrost eines besseren belehren lassen. Jung, frisch und kreativ mit einem Hauch von französischer Raffinesse, das ist die neue Küche Irlands. Und einer ihrer bekanntesten Vertreter ist Gerry Galvin aus Moycullen, einem Vorort von Galway. Wie der erfolgreiche Küchenchef aus Galway haben andere junge Köche der irischen Gastronomie neue Attraktivität verliehen. Auch sie greifen bevorzugt auf frische Grundprodukte wie Gemüse, Käse, Lamm, Räucherlachs, Muscheln und Austern zurück, die aus einem Land stammen, das über eine intakte Umwelt verfügt. Außerdem konzentriert sich diese aufstrebende Kochgeneration ebenfalls bewusst auf die traditionelle, bodenständige Küche. Und so haben sich mittlerweile althergebrachte Gerichte wie gekochte Schweinefüße (crubeens), Blutwürste (drisheen), Speck und Kohl sowie die aus dem Carrigeen-Seetang hergestellten Süßspeisen vordere Plätze auf den Speisekarten zurückerobert, nachdem ihre Rezepte über ein Jahrhundert lang nahezu verschwunden waren. Über die Jahrhunderte in der ganzen Welt immer aktuell gewesen ist dagegen das Klischee vom trinkfesten Iren. Dass sie einem kleinen Schluck nicht abgeneigt sind, streiten sie auch gar nicht ab.

Von Edgar J. Herrmann



Foto : Irische Pubs und die Musik sind längst ein Exportschlager.

Foto : Für das National-Getränk wird überall geworben.

Foto : Irland setzt auf die Jugend. Kein Wunder, 25 Prozent der Bevölkerung

ist jünger als 25 Jahre.



Alle Bilder: Edgar J. Herrmann