La Goulette/Tunis - ein Badeort mit Historie und Flair.


Tunesien (163.610 qkm) liegt an der Mittelmeerküste Nordafrikas, 130 Kilometer südwestlich von Sizilien und 160 Kilometer südlich von Sardinien. Die Republik Tunesien hat knapp 10 Millionen Einwohner. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, mit Klippen an der Nordküste und Wäldern im Landesinneren. Außerdem findet der Besucher hier tiefe, fruchtbare Täler und karge Wüsten, steile Berge und salzige Niederungen, die unter dem Meeresspiegel liegen. Südlich von Gafsa und Gabes beginnt die Sahara. Vor der über 1.200 Kilometer langen Küste liegen zahlreiche kleine Inseln, darunter die bekannteste Djerba im Suden. Hauptstadt ist Tunis mit ca. 730-000 Einwohnern; im Nordosten von Tunis liegt der Vorort la Goulette. Sehenswürdigkeiten in Tunis: In Tunis bewegt sich der Besucher permanent zwischen Orient und Abendland. Die Neustadt gibt sich ganz im Flair einer südeuropäischen Metropole. Die Medina, die Altstadt von Tunis, hingegen empfängt einen mit ihrem mittelalterlichen Charme. Der Haupteingang zu dieser wohl am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadt der islamischen Welt liegt an der Porte de France und der ehemaligen Britischen Botschaft. Er führt direkt zur Rue Djamaa Ez-Zitouna, der Hauptstraße der Souks (Märkte). Weitere Souks, die sich mitunter auf ganz bestimmte Produkte spezialisiert haben, zweigen von der Hauptstraße ab. Djamaa Ez-Zitouna, die große Moschee, ist eine gute Orientierungshilfe, wenn man sich im Gassengewirr zu verirren glaubt. Ein Höhepunkt des Tunisbesuchs ist mit Sicherheit das Bardo-Museum im ehemaligen Palast des Bey, die berühmteste Ausstellungsstätte des Landes. Hier wird die punische und römische Vergangenheit des Landes anschaulich zum Leben erweckt. Das Museum verdankt seine Beliebtheit vor allem der hier ausgestellten weltgrößten römischen Mosaikensammlunq. Zu finden ist es im nordwestlich gelegenen Bardo, ca. fünf Kilometer von der Altstadt entfernt. Das Dar Ben Abdallah ist ein aus dem Jahre 1796 stammendes Privathaus in der Medina, das die "Gesellschaft zur Rettung der Medina" für eine kleine Ausstellung über das Leben in der Altstadt nutzt. In den Räumen mit Einrichtungsgegenständen aus dem 19. Jahrhundert und lebensgroßen Puppen kann das häusliche Leben von damals nachempfunden werden. Herzstück der Neustadt ist die Avenue Habib Bourguiba, die sich vom Lac de Tunis über die Avenue de Paris bis hin zur Medina zieht. Sie wird von zahlreichen Hotels, Restaurants und Cafés (das berühmteste ist das Café de Paris) sowie Blumen- und Zeitschriftenständen gesäumt. Am Ende der Av. Habib Bourguiba erhebt sich die imposante Kathedrale. Sie wurde unmittelbar nach dem Einzug der französischen Besatzer im Jahre 1882 im neoromanischen Stil erbaut. Karthago (Carthage): Die bekannteste historische Stätte Tunesiens ist Karthago in der Nähe von Tunis; Stadt der legendären Königin Dido, die mit Rom um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum rang. Höhepunkte sind das für 50.000 Besucher ausgelegte Amphitheater; die Zisternen im Dorf Malaga und die in Richtung Meer gelegenen Thermen des Antonius Pius, die einst die bedeutendsten Nordafrikas waren. Oberhalb des Byrsa-Hüge!s - lange das Zentrum des punischen und dann des römischen Karthago - erhebt sich weithin sichtbar die Kathedrale St. Louis, die unmittelbar nach der Machtübernahme durch Frankreich 1890 .vollendet wurde und bis Mitte der sechziger Jahre dem Erzbischof von Karthago als Residenz diente. Gleich neben der Kathedrale liegt das Quartier Punique. Die hier ausgegrabenen Fundamente spiegeln ein reales Bild der damaligen Wohnanlage wieder. Funde aus der Ausgrabungsstätte sind im Nationalmuseum von Kartahago im ehemaligen Kloster zu bewundern. Die Ausstellung beinhaltet unter anderem punische und römische Überreste sowie einen kleinen Garten, der als archäologischer Park angelegt ist. Das Museum hat vier große Hauptabteilungen: eine prähistorische, eine punische, eine römische und eine paleo-christliche Abteilung. Sidi Bou Said: Dieser malerische und ganz im andalusischen Stil gehaltene Ort mit seinen weißen kubischen Häusern ist der Inbegriff eines malerischen Dorfes. Für Paul Klee verkörperte der auf dem 100 Meter hohen Cap Carthage gelegene Ort "die Leibhaftigkeit des Märchen". Sidi Bou Said etablierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als internationaler Künstlertreff, insbesondere dank der Besuche von August Macke, Paul Klee und Louis Moilliet im Jahre 1914. Der bezaubernde Charakter des Ortsbildes ist durch den Baustil der aus Spanien geflohenen Andalusier geprägt. Die zahlreichen Aquarelle, die August Macke vom "Café des Nattes" fertigte, verhalfen dem Städtchen zu internationalem Ruhm. Bereits seit 1915 steht Sidi Bou Said unter Denkmalschutz. Hier wurde auch die Musiktradition des "maalouf" geboren. Hafenstadt Sousse: Tunesiens drittgrößte Stadt ist eine bedeutende Hafenstadt und liegt in einer günstigen Position an der Ostküste. Die Sandstrände reichen bis zum sieben Kilometer entfernten Port el Kantaoui im Norden. Die Altstadt ist von imposanten uralten Wehrgängen umgeben, Der Ribat aus dem 8. Jahrhundert gehörte zu einer Kette von befestigten Wehrklostern, die gebaut wurden, um die Küste vor Angriffen zu schützen. Von den Wachtürmen aus hat man einen ausgezeichneten Blick über das Gassengewirr der Medina und die Gartenterrasse des Musée Archéologique. Es befindet sich in der Stadtfestung, deren 30 Meter hoher Turm Khalef el-Fatah das Wahrzeichen von Sousse ist. Das Museum ist nach dem Bardo-Museum das zweitwichtigste des Landes und beeindruckt vor allem mit seinen wunderschönen römischen Mosaiken. Monastir: Etwa eine halbe Stunde von Sousse entfernt, liegt der kleine Urlaubsort Monastir. Er verdankt seine Bekanntheit dem imposanten Ribat direkt am Meer und der Tatsache, dass Tunesiens erster Präsident Habib Bourgiba hier geboren wurde. Das kostbare Mausoleum, das er errichten ließ, lockt Besucher aus aller Welt an. Im Ribat kann man das islamische Museum besichtigen. Kairouan: Kairouan liegt zirka 50 Kilometer landeinwärts von Sousse und wurde 670 n. Chr. von einem Anhänger des Propheten Mohammed gegründet. Der Ort ist nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertwichtigste Stadt des Islam. Es ist heute noch so, dass sieben Wallfahrten nach Kairouan die Pilgerfahrt nach Mekka ersetzen. Der Vorhof der Großen Moschee kann bis zu 200.000 Pilger aufnehmen. Es gibt viele andere Moscheen und Schreine, die Große Moschee ist jedoch die heiligste Stätte. Der Gebetsraum wird von einem mehrfarbigen "Säulenwald" aus römischer, byzanthinischer und arabischer Zeit getragen. Die fünf Meter hohe, kunstvoll geschnitzte Holzkanzel stammt wie das Minarett mit 128 Stufen aus dem neunten Jahrhundert.

Von Edgar J. Herrmann