Mit dem BMW X5 durch Namibia

- Mächtig Staub aufgewirbelt - Wildhüter im Smoking.


(tg/eh) In unseren Breiten endet die automobile Freiheit in der Regel dort, wo dar Bürgersteig anfängt. Deshalb sind selbst die größten und teuersten Geländewegen so abgestimmt, dass sie sich auf Autobahnen und Landstraßen von ihrer besten Seite zeigen. Doch auch wenn sie mit über 200 Sachen über die linke Spur gejagt oder mit dem kleinen Finger durch den Stadtverkehr gezirkelt werden können, sind Autos wie der BMW X5, der VW Touareg oder die Mercedes M-Klasse im Gelände besser als ihr Ruf. Wer das nicht glaubt, den bitten die Hersteller gelegentlich zu Testfahrten und Erlebnisreisen in ausgesprochen unwirtliche Gegenden, um ihn eines Besseren zu belehren. So schickt BMW zum Beispiel jährlich mehrere Dutzend Kunden und solche, die es werden wollen, für eine gute Woche zum automobilen Abenteuerurlaub nach Namibia. Natürlich stehen dort die Reiseerlebnisse Im Vordergrund, doch ein paar Fahrtipps gibt es von den Instruktoren bei jedem zweiten Coffee-Stopp, und die Überzeugungsarbeit leistet das Auto - so hoffen jedenfalls die Veranstalter - auf jedem Kilometer von ganz alleine. Dass der Wagen seine Sache auch ohne Teer gut macht, beweist er gleich auf den ersten Kilometern. Denn schon kurz hinter dem Flughafen wird aus der geteerten Schnellstraße eine wüste Schotterpiste, die über fast 400 Kilometer durch die Ausläufer der Wüste Namib an die Küste führt. Obwohl der Weg über weit mehr oft 2 000 Meter hohe Pässe führt, geht dem V8-Benziner dabei nie die Luft aus. Nur leise das Gaspedal gestreichelt, schon stürmt der Wagen vehement voran und zieht eine beinahe kilometerlange Staubschleppe durch die Steppe. Dass der Untergrund lose ist wie frisch gefallener Schnee, stört den Bayern in Deutsch-Südwest dabei gar nicht. Viel mehr als der kleine Finger ist kaum nötig, um den Zweitonner auf Kurs zu halten. Selbst wenn er gelegentlich mal wie auf Carving-Ski durch eine Kurve driftet, fangen ihn der elektronische Rettungsanker und natürlich der Allradantrieb mit seiner variablen Kraftverteilung sofort wieder ein. Wie gut dabei gehörige Kraftreserven sind, zeigt der 4,8 Liter große Achtzylinder am nächsten Tag beim Ritt durch die Dünen: 355 PS und maximal 476 Nm reichen allemal aus, um den Geländegänger auch steile Sandpisten hinauf zu prügeln. Wer vorher das DSC ausgeschaltet und ein wenig Luft aus den Reifen gelassen hat, wühlt sich tapfer wie ein Maulwurf den Strand entlang und klettert durch die Dünen wie Hadschi Halef Omar durchs wilde Kurdistan. Ok, Ok, nicht immer ist die Bodenfreiheit groß genug, und hin und wieder geht wegen des zu kleinen Böschungswinkels auch mal ein Teil eines Stoßfängers au Bruch, doch müssen die Land Rover am Anfang und Ende der Karawane nur selten das Abschleppseil herausholen und den X5 wieder frei schleppen. Nach über 1 000 Kilometern durch die alte deutsche Kolonie, bei denen der Wagen zwischendurch sogar mal die Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h erreichte, bleiben an den Trekking-Eigenschaften des X5 kaum mehr Zweifel. Zugegeben, den Nashörnern folgt man im Busch wahrscheinlich trotzdem besser mit dem Land-Rover. Im Flussbett oder in den Dünen der Namib-Wüste ist der vornehme Smoking kein echtes Hindernis - selbst wenn er nach wenigen Kilometern unter einem staubigen Graubraun verschwindet und man den X5 beinahe mit Daktaris Dienstwagen verwechselt. Eines jedoch stört auf solchen Strecken mehr als irgendwo sonst auf der Wett: Der immense Verbrauch des Achtzylinders. Zwar kostet Benzin In Namibia gemessen an unseren Preisen nur etwas mehr als die Hälfte. Doch wenn die nächste Tankstelle erst noch 400 Kilometern kommt, sind 12 und mehr Liter auf 100 Kilometer einfach viel zu viel. Schließlich will man auf so einer Tour die Landschaft genießen - und nicht immer gebannt auf die Reichweite im Bondcomputer starren müssen.

Von Edgar J. Herrmann



Foto 1: Herrlich, die Wüste mit ihren einmaligen Verfärbungen.

Foto 2: Auch typisch: Den Köcherbaum trifft man überall in Namibia.

Foto 3: Fein herausgeputzt - die Herero-Frau.



Alle Bilder: Edgar J. Herrmann