Unvergessliche Erlebnisse:
Über 5.000 Kilometer quer durch Namibia.


Die höchsten Sanddünen der Welt, die schönsten Wüstennächte unter Sternenhimmel, freundliche Eingeborene, friedlich "wilde" Tiere und eine Speisekarte mit Krokodilsteak und als Dessert Schwarzwälder Sahnetorte - das alles bietet Namibia. Der Flug ins südliche Afrika dauert zehn Stunden. Namibia ist nur eine Zeitzone östlich von Deutschland entfernt also eine Stunde Zeitdifferenz. Die Gesellschaft für Studienreisen Intercontact aus Remagen organisierte die Tour: Diesmal ging es quer durch Namibia. Mehr als 5000 Kilometer (teilweise abenteuerliche Schotterpisten) wurden in 15 Tagen abgespult. Zwei Gruppen mit jeweils 30 Personen fuhren durch das afrikanische Land. Die Bettenkapazität lässt nur kleine Gruppen zu. Stationen wie Gochas Keetmanshoop, Lüderitz Swakopmund und der Etasha Park waren bis dahin vielen kein Begriff. Namibia ist eine wahre Schatztruhe von Kulturen und Sitten. Bedingt durch die große Vielfalt seiner Bevölkerung sind 11 Sprachen, 26 Dialekte eine ganze Menge für 1,6 Millionen Einwohner. Der Tourist kommt hervorragend mit englisch und sogar deutsch über die Runden. Deutsch wird auch heute noch von rund einem Viertel (60.000) der weißen Einwohner gesprochen. In dieses "Südwester-Deutsch" sind allerdings viele Redewendungen und Ausdrücke aus dem englischen und afrikaans geflossen. Nicht wenige Touristen behaupten, dass in Namibia teilweise mehr deutsche Tugenden herrschen als in Germany. Deutsche Straßennamen, Stadtteile, deutsche Bezeichnungen, alte Geschäftsadressen erinnern an Jahrzehnte des deutschen Einflusses. Vom Feuchtgebiet bis zur ältesten Wüste der Welt, vom Elefanten bis zum kleinsten Käfer - Namibia ist ein Land mitten in der Natur. Fast 20 Prozent der Fläche sind durch staatliche Parks und Reservate geschützt, um möglichst vielen Pflanzen und Tierarten Lebensraum zu bieten. Übrigens, Namibia hat als erster Staat der Welt den Umweltschutz in der Verfassung verankert. Die Reisegruppe aus dem Rheinland traute manchmal ihren Augen nicht, so eine Vielfalt von Tieren an den Wasserstellen und in der Steppe anzutreffen. Wie grandios eine Wüstenlandschaft wirken kann, erlebten die Reisenden aus dem Kleinflugzeug heraus. Nach der Landung wurden schnell Fläschchen mit dem feinen Wüstensand als Souvenir gebunkert. Das der Tourist auch vom Naturschutz profitiert, wurde deutlich bei den urwüchsigen Unterkünften. Kein Parkhotel, keine Bettenburg - dagegen bescheidene Lodges, Ranges oder kleine Bungalows mitten in den Prärie. Es kommt natürlich vor, dass man morgens von einem Wildschwein oder einer Giraffe geweckt wird. Dass sich in der Unterkunft mal ein freundlicher Nager verirrte, störte "fast" niemanden. Selten haben die Reisenden ein saubereres Land als Namibia angetroffen. Keine Zigarettenkippen, kein Abfall auf den Rastplätzen - Müll trennen ist kein Zauberwort, es wird an allen Orten praktiziert. Für das leibliche Wohl wird in Namibia bestens gesorgt. Ob Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, jede Art von Steaks (ob Giraffe, Zebra oder Strauß) bietet die Speisekarte. Die Namibier essen schon zum Frühstück Steaks wenn es sein muss. Auf Schritt und Tritt trifft man Einwanderer die nach einem Besuch vom Virus des Landes befallen waren. Der Leitspruch lautet: "Du kommst und du gehst, aber wenn Du wieder kommst, wirst Du für immer bleiben" - wie die Inge aus Hamburg auf der Ranges in Kalkfeld oder der Wirt aus Westfalen, der ein kleines Hotel eröffnete. Die Berge leuchten golden und die Milchstraße ist zum Greifen nahe. Nach ein paar Kilometern Asphalt beginnt die Schotterpiste, über die der alte Reisebus mit Tempo 100 rüttelt. Jedes entgegenkommende Fahrzeug kündigt sich bereits von weitem durch eine riesige Staubfahne an. Am Abend bezieht unsere Gruppe die Sossusvlei-Lodge. Auf der Terrasse erlebe ich den Sonnenuntergang wie im Zeitraffer, der glutrote Sonnenball sackt viel schneller hinter den Horizont als in Deutschland. Dabei lässt er die umliegenden Berge intensiv leuchten. Bei völlig klarer Sicht zieht sich die Milchstraße nach Einbruch der Nacht als strahlend heller Streifen zum Greifen nah über das Firmament, das Kreuz des Südens sticht deutlich hervor. Die höchsten Wanderdünen der Welt in Sossusvlei wirken im Morgenlicht am besten. Darum schellt der Wecker im Wüstencamp schon um fünf Uhr. Frühstück gibt's im Schein von Petroleumlampen, mein Kaffee kühlt schnell aus bei acht Grad Celsius Morgentemperatur. Die Piste führt vorbei an imposanten Sterndünen, es wird immer unwegsamer. Wir steigen in einen alten Bundeswehr-Unimog um, der sich bis zur Lehmsenke des Sossusvlei durch weiche Sandfelder wühlt. Diese Senke ist der Endpunkt eines Trockenflusses, der nur nach seltenen Regengüssen Wasser führt. Die Sonne beginnt zu stechen, als wir entlang des Kamms auf eine Düne steigen. Der steile Aufstieg im grobkörnigen Sand lässt die Füße tief einsinken, das kostet eine Menge Kraft. Nach einer Stunde beschwerlichen Aufstiegs auf die 300 Meter hohe Düne reicht der Blick bis zum Horizont - ein grandioses Dünenmeer. Viele Straßen tragen noch heute deutsche Namen aus der Kolonialzeit. Swakopmund war das Tor zu Deutsch-Südwest, das Städtchen ist heute noch durch die Kolonialbauten geprägt, sogar einige Straßen tragen noch deutsche Namen. Die "Allgemeine Zeitung", die deutschsprachige und älteste Tageszeitung des Landes, beschäftigt sich gerade mit der deutschen Vergangenheit Namibias. Glück gehabt: Der Rundflug mit einer gecharterten Cessna wurde zum Abenteuerflug. Während des Anfluges öffnete sich die Tür - nur mit größter Anstrengung wurde diese von Innen provisorisch geschlossen - eine Notlandung war nötig. Die Ersatzmaschine flog vorbei am Brandberg, dem höchsten Berg Namibias ins Kaokoland. Begegnung der besonderen Art: Hier ist die Heimat der 6.000 Himba-Stammesmitglieder. Sie züchten Ziegen und Rinder und führen ein halbnomadisches, vorzivilisatorisches Leben. Bei den Himba haben Kleidung, Haartracht und Schmuck eine besondere Bedeutung. Die stolzen Himbafrauen verwenden täglich mehrere Stunden für die Schönheitspflege: Der gesamte Körper wird mit einer Creme aus ranzigem Butterfett, aromatischem Harz und Ockerfarbe eingerieben. Dadurch erhält die Haut einen intensiven rötlichen Glanz. Die Dorfälteste bekommt von uns einen Korb mit Grundnahrungsmitteln als Gastgeschenk. Erst dann dürfen wir uns das Lager ansehen. Die Männer sind mit den Tieren unterwegs auf der Suche nach Futter- und Wasserstellen, deshalb sind nur Frauen und Kinder im Dorf. Alle suchen jetzt gegen Mittag Schatten in ihren Holzhütten oder unter den wenigen Bäumen. Die Dorfälteste fragt uns mit Hilfe des Dolmetschers nach der Zahl unserer Kinder und Frauen und welche Tiere wir halten. Fragen, die für ein Nomadenvolk mit uralten Traditionen wichtig sind. "Ihr züchtet keine Tiere, wovon lebt ihr dann", wundert sich die Alte. Bei der Safari kommt man auf 50 Meter an wilde Tiere heran: Höhepunkt der Reise ist die Fotosafari in der Etosha-Pfanne. Ein Tierparadies, das bereits 1907 zum Schutzgebiet erklärt wurde. Im Zentrum liegt eine ausgedehnte Ebene, umgeben von Gras- und Dornsavannen. An den Wasserlöchern im südlichen Teil des Parks begegnen sich Zebras, Giraffen, Elefanten, Büffel, Antilopen, Hyänen, Schakale und Raubkatzen. Ein interessantes Schauspiel mit ständig wechselnden Akteuren, das den ganzen Tag andauert. Bis auf etwa 50 Meter kommt man an manche Tiere heran. Zurück in Windhoek, gönne ich mir im Café Central noch ein Stückchen Kolonialgeschichte: Groß und mächtig liegt die Schwarzwälder Kirschtorte auf dem Porzellanteller. Mit viel Sahne. Namibia hat eben viele Überraschungen zu bieten. Unvergessliche Erlebnisse: Die höchsten Sanddünen der Welt, die klarsten Wüstennächte unterm Sternenhimmel, die freundlichsten Eingeborenen, die friedlichsten wilden Tiere und eine Speisekarte mit Krokodilsteak und Schwarzwälder Sahnetorte - das alles gibt es in Namibia.

Von Edgar J. Herrmann



Direkt ins günstige Namibia:


AirBerlin ist die einzige europäische Fluggesellschaft, die Namibia von Deutschland aus nonstop anfliegt (einmal wöchentlich, ab 299 Euro). Für Reisen bis zu drei Monaten braucht man kein Visum. Namibia ist durch die hohe Kaufkraft des Euro ein günstiges Fernreiseziel und gilt als sicheres Reis eland. Die Gefahr von Tropenkrankheiten ist gering, Hygieneempfehlungen für Nahrungsmittel in Tropen ländern sollten aber beachtet werden. Impfvorschriften für Reisende aus Europa gibt es nicht.



Foto : "Wilde" Tiere auf Schritt und Tritt.

Foto : Die Kinder erhalten Haribo aus Germany.



Fotos: Edgar J. Herrmann