Wir bereisen Namibia, ein Land der Gegensätze.


"Du kommst und du gehst - aber wenn du wiederkommst, wirst du für immer bleiben". Diesen Ausspruch haben wir auf unserer Namibiareise des Öfteren von Neu-Namibianern gehört. So vielfältig die Natur, so facettenreich die Menschen - Namibia ist ein sehr dünn besiedeltes Land im Süden Afrikas. Zwischen der Kalahari-Wüste im Osten und dem Atlantischen Ozean im Westen gelegen. Das Erscheinungsbild ist so beispiellos, dass es schwer fällt, die Schönheit und Faszination des Landes zu beschreiben. Ein Versuch lohnt allemal. Nur rund 1,5 Millionen Menschen leben in dem (so deutsch) "gefärbten" Land. Von der rötlichen Dünenlandschaft bis hin zum weißen Staub der Etosha-Pfanne gehört Namibia zu einem sprichwörtlichen Wunderland mit seinen so unendlichen Weiten. Obwohl größer als Deutschland und Großbritannien zusammen, leben hier weniger Menschen als in Berlin oder London. Unsere Studienreise hatte es in sich. Mehr als 5.700 Kilometer wurden in gut zwei Wochen abgespult. In Windhoek, der Hauptstadt, begann der Trip. Die Reisegruppen müssen aus organisatorischen Gründen recht klein gehalten werden. Die Bettenkapazität in den Hotels ist begrenzt. Stationen wie Gochas, Keetmannshoop, Lüdewitz, Swakopmund und der Etosha-Park waren bisher nur aus Reiseführern ein Begriff. Namibia ist eine wahre Schatztruhe von Kultur und Sitten, bedingt durch die große Vielfalt seiner Bevölkerung. 11 Sprachen und 26 Dialekte spiegeln sich wieder. Der Tourist kommt hervorragend mit englisch und sogar deutsch über die Runden. Deutsch wird von einem Viertel der weißen Einwohner gesprochen (60.000). In diesem "Südwesten-Deutsch" sind allerdings viele Redewendungen und Ausdrücke aus dem englischen und afrikaans eingeflossen. Nicht wenige Touristen behaupten, dass in Namibia teilweise mehr deutsche Tugenden herrschen als in Germany. Deutsche Straßennamen, Stadtteile, alle Geschäftsadressen erinnern an Jahrzehnte des deutschen Einflusses. Viele Familien aus Deutschland leben hier seit mehreren Generationen. Gern gesehene Touristen: Insbesondere Reisegruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereisen das afrikanische Land - eine von zu Hause bekannte Lebensweise und Sprache wird favorisiert. So geht man in Windhoek, Lüdewitz oder Swakopmund auf der Peter-Müller- oder Knoblauchstraße spazieren, kauft in der Kaiserapotheke Klosterfrau Melissengeist, isst in der Konditorei Schwarzwälder Kirschtorte und wird im Amtsgericht an den Rechtsstaat erinnert. Das alles ist von einer 31 Jahre dauernden Kolonialherrschaft Kaiser-Deutschlands geprägt und erhalten. Erst 1950 öffnete sich Namibia dem Tourismus. Namibia, das ist auch ein Land mitten in der Natur. Fast 20 Prozent sind durch Parks und Reservate geschützt. Viele Pflanzen und Tierarten haben hier ihren natürlichen Lebensraum. Namibia ist übrigens der erste Staat der Welt, der den Umweltschutz in der Verfassung verankert hat. Der Tourist profitiert vom Umweltschutz. Keine Riesenhotels, dafür urwüchsige Unterkünfte, der Landschaft angepasst. Kein Parkhotel, keine Bettenburg - dagegen bescheidene Lodges, Ranges mitten in der Prärie. So kommt es vor, dass man morgens von Wildschweinen, Giraffen und vielen Nagern geweckt wird. Selten hat die Reisegruppe ein so sauberes Land angetroffen. Keine achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen, keine Blechdosen - überall wird der Müll (sogar auf Rastparkplätzen) sortiert. Lukullisch ist Namibia keine Herausforderung. Abgesehen vom exotischen Fleischangebot, Steaks von der Giraffe, vom Zebra oder Strauß (sonst ist die Speisekarte international). Bier wird teilweise nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und es schmeckt einfach köstlich. Namibia ist auch ein großer Zoo von Elefanten, Zebras, Antilopen, Giraffen usw. Bis hin zum kleinsten Käfer ist alles hier zu sehen. Im Kalkfeld wohnte die Reisegruppe in der Oropoha-Lodge in mitten einer typischen Urwaldlandschaft "garniert" mit Giraffen. Aber auch die anderen Stationen verdienen länger, als nur eine Nacht Gäste auf zu nehmen. Ob in der Etosha-Unterkunft, Swakpomund im Bahnhofshotel, im Hammerstein-Camp oder im Safari-Court-Hotel in Wndhoek - es bleiben viele Erinnerungen zurück. Die Reise kurz im Zeitraffer: Von Windhoek als Ausgangspunkt ging es nach Okabandja, von dort in das fruchtbare Namibia über die Otari-Tsumeb Pas zur Minenstadt Tsumet. Weitere Stationen der mysteriöse Otjikotosee (hier versenkten deutsche Truppen im ersten Weltkrieg ihre Waffen). Das Waldparadies im Norden Namibias, der Etosha-Nationalpark beeindruckte. Die Etosha-Pfanne, eine salzverkrustete Fläche mit einer Länge von 129 Kilometern ist schon eindrucksvoll. Jeder Namibia-Besucher sollte den Weg nach Twyfelfontein auf sich nehmen - ein versteinerter Wald mit Überresten von Baumstämmen, die älter als 200 Millionen Jahre als sind, beeindrucken sehr. Von der Walvis Bay nehmen wir an einer Roben-Delphin-Tour teil, vorbei an Feldern, wo Austern gezüchtet werden. Entlang des Swakop-Flusses, welcher durch Erosionen entstanden ist, zur Namibia-Wüste und Südangola, wo Pflanzen bis zu 2000 Jahre alt sind. Nahrungsspender ist die Nebelfeuchtigkeit am frühen Morgen. Diesem Tag haben alle Reisenden entgegengefiebert. Auf dem Programm standen die höchsten Dünen der Welt im Namibia Naukluft Park bei Sossusulei. 300 Meter hohe und rot gefärbte Dünen grüßen majestätisch. Jeder Namibia-Besucher nimmt eine Tüte roten Sand mit nach Hause. Danach ging es in die Stadt des vergangenen Diamantenfiebers, nach Lüdewitz - vorbei an Steppenlandschaften mit wilden Pferdeherden. Das Städtchen Lüdewitz, am Atlantik, wurde durch seine riesigen Diamantenfunde bekannt. Einmalig die versteinerte Geisterstadt Kolmasskuppe im südlichen Teil von Namibia. Wanderdünen verschlucken den Ort. Nächste Station der Fish-River-Canyon, der zweitgrößte Canyon der Welt, bis zu 27 km tief. Weiter ein Abstecher zum Köcherbaumwald bei Keetmanshoop. Nach soviel Natur und Abenteuer stand zum Abschluss ein Einkaufsbummel auf dem Programm. Alles was wir nicht schon hatten, konnte erworben werden. Fazit der Reise: Es war ein Glücksgefühl, Namibia zu bereisen - in diesem kurzen Satz steckt alles. Starten Sie auch das Abenteuer Namibia. Es sind ja nur 8.000 Kilometer Luftlinie bei einer Flugzeit von zehn Stunden. Weitere Infos bei Namibia-Tourist: Tel. 069-1337360, Internet: www.namibia-tourism.com.

Von Edgar J. Herrmann



Foto: Pelikane fühlen sich wohl im klaren Wasser.

Foto: Sehr futuristisch das alte Amtsgericht.

Foto: Beeindruckend die bis zu 300 Meter hohen Sanddünen.

Alle Bilder: Edgar J. Herrmann