Ostseeinseln

Strandvergnügen ohne Grenzen - Ostseeinseln laden zum Träumen ein.


Die rund 350 Kilometer lange Küste zwischen Lübeck und der Insel Usedom, nahe der polnischen Grenze, ist so abwechslungsreich, dass ein bis zwei Wochen Urlaub nicht ausreichen, um alles Sehenswerte zu erfassen. Mit einem Wohnmobil war ich unabhängig und konnte Rast einlegen, wo es gerade am schönsten war. Noch war es ruhig an den oft wild zerklüfteten Stränden in Mecklenburg Vorpommern. Erste Station war das Ostseebad Boltenhagen. Kein Vergleich mit Grömitz, aber dennoch mit einem gewissen Flair versehen. Feiner Sandstrand, ein gut gepflegter Campingplatz, nette Restaurants, viele Privatunterkünfte, ein Tennisplatz und ein Minigolfplatz warten auf die Gäste. Die Fahrt ging weiter entlang der Wismarer Bucht in Richtung Osten. "Wismar ist die einzige in dieser Größe und Geschlossenheit erhaltene Hansestadt im südlichen Ostseeraum", betonte die deutsche Unesco. "Das historische Hafenbecken vermittle ein authentisches Bild von dem eigentlichen Rückgrat der Seehandelsstadt". Gerade jetzt sind die Stralsunder stolz, ihre Hansestadt wurde wie Wismar durch die Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Das Unesco-Welterbekommitee hob insbesondere die umfangreich erhaltene historische Bausubstanz der Altstädte von Stralsund und Wismar hervor. Stralsunds einmalige Insellage zwischen dem Strelasund und den im 13. Jahrhundert aufgestauten Teichen betone den mittelalterlich geprägten Stadtkörper. Alleine in der Altstadt von Stralsund stehen 526 denkmalgeschützte Häuser. Die Sanierung, die laut Prognose bis zum Jahr 2025 dauern wird, wird mehr als eine Milliarde Euro kosten. Die Insel Poel, auf keiner Landkarte zu finden, war mein nächstes Ziel. Dass es eine derartige Oase noch gibt, verblüffte. "Ruhe Landschaft, Ruhe" heißt hier die Devise. Der malerische Ort Kirchdorf, der futuristische Hafen mit dem Leuchtturm sollte noch lange ein Geheimtipp bleiben. Die Fahrt an den Ostseebädern Kühlungsbronn, Heiligendamm in Richtung Rostock bot viel Abwechslung. Kilometerlange Strände mit Restaurants und Hotels, die wie Pilze aus dem Boden wachsen, lassen den Urlaub unvergessen werden. In Stralsund wurde eine weitere Pause eingelegt, bevor es zur "Perle der Ostsee", der Insel Rügen ging. Es war schon ein Muss, den Turm der Marienkirche zu erklimmen. 400 Stufen waren da nicht von Pappe, der Blick über das flache Mecklenburg war traumhaft schön. Die Altstatt mit ihren mittelalterlichen Straßen hat einiges zu bieten, so auch das historische Museum, wo der sagenumwobene Goldschmuck von Hiddensee ausgestellt ist und das Meeresmuseum. Über den Rügener Damm wurde die größte Insel Deutschlands piano angesteuert. Zuerst wollte ich den Westteil erobern und meine Trauminsel Hiddensee besuchen. In Schaprode stellte ich mein fahrendes Wohnzimmer, das Wohnmobil, ab. Die Insel Hiddensee kann Gott sei dank nur per Pedes oder zu Fuß besucht werden. Ich ließ die Küste und die zwölf Kilometer große Insel Revue passieren. Hiddensee mit der Nordseeinsel Sylt verglichen ich meine, da gibt es viele Unterschiede. Die Ruhe, die Urwüchsigkeit, die Strände, die liebenswerten Fischer, das sind Trümpfe, die zählen. Alles ist kleiner, überschaubarer, einfach anders. Vom Hügel am Dornbusch im Norden begrüßt der Leuchtturm die Gäste, von dort aus ist die ganze Insel zu übersehen. Die Kleinstorte Kloster, Vitte und Neuendorf mit ihren reedgedeckten Häusern lassen die Zeit stillstehen. Kein Wunder, dass der große deutsche Heimatdichter Gerhard Hauptmann viele Jahre seines Lebens auf Hiddensee verbrachte, dort, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Von Hiddensee Abschied nehmen fiel schwer, aber Rügen wartete schon. Hier fielen die einmaligen, alten Baumalleen auf. Schmale Kopfsteinpflasterstraßen werden von diesem Naturwunder eingerahmt. Rügens bekanntes Wahrzeichen sind die Kreidefelsen mit dem Königsstuhl. Im Abendlicht wirken sie besonders anziehend. An der schmalen Landzunge "Schaabe" liegt einer der schönsten Campingplätze von Mecklenburg Vorpommern, idyllisch eingerahmt von Kiefern und bewachsenen Dünen. Im Osten erinnern die Seebäder Binz, Sellin, Baabe und Göhren an vergangene, bessere Zeiten. Herrschaftliche Häuser sind mittlerweile liebevoll restauriert worden, andere drohen zu verfallen. Kurz streifte ich das Fischerdorf Vitt. Es ist einmalig in seiner Art. Seit Jahr und Tag stehen in einer kleinen Bucht 47 Häuser, alle gut gepflegt. Nur ein schmaler Weg führt dort hin. Es besteht keine Möglichkeit, etwas neues zu bauen jeder Quadratmeter ist genutzt von ehemaligen Fischern, die heute immer öfter ihre Netze leer nach Hause bringen. Der Hauptfisch, Hering, ist in der Ostsee totgefischt. Viele Fischer haben keine Existenz, sind arbeitslos. Zurück auf dem Festland ging es in Richtung Greifswald. Die Universitätsstadt erlebt einen Umbruch. Viele alte Straßenzüge werden neu aufgebaut. Vom Greifswalder Dom aus war dies gut zu beobachten. Kurz vor Greifswald liegt Wieck. Ein altes Fischerdorf mit einer alten Ziehbrücke über die Wieck, die oft vom Maler Caspar David Friedrich gemalt wurde. Langsam kam ich dem Endziel, der Halbinsel Usedom näher. Dazwischen liegt noch der Badeort Lubmin, bekannt geworden durch das endgültig stillgelegte Atomkraftwerk. Der Badeort versucht, sich ein neues Image zu verschaffen. Strand, Wasser und eine waldreiche Landschaft sollen die Urlauber anlocken. Die Halbinsel Usedom mit ihren vielen bekannten Badeorten, wie Karlshagen, Zinnowitz, Koserow, Bansin, Henigsdorf und dem nahe der polnischen Grenze gelegenen Ahlbeck hat sich ganz auf Touristik eingestellt. Komfort Unterkünfte einfache und noble Hotels, Restaurants, Privatpensionen und gepflegte Campingplätze sind ein Garant, dass es an dem äußersten Nord Ostzipfel Deutschlands gut leben lässt. Fazit der Reise durch Mecklenburg Vorpommern: Ein liebenswerter Landstrich mit viel Natur pur, Sehenswürdigkeiten und Kontrasten es lohnt sich, gen Norden zu fahren.

Von Edgar J. Herrmann


Foto 1: Die gute alte Ziehbrücke in Wieck bei Greifswald.

Foto 2: Hafenidylle in Freest.

Foto 3: Sonnenuntergang am Greifswalder Bodden.

Foto 4: Der alte Leuchtturm am nördlichsten Punkt von Rügen.



Alle Bilder: Edgar J. Herrmann