Palermo

Siziliens Hauptstadt im Wechselbad der Gefühle.


Lange Zeit hatte Siziliens Hauptstadt keinen sehr guten Ruf. Verfall, Mafia, Chaos - so charakterisierte man Palermo oft. Doch die Stadt hat sich verändert und präsentiert sich nun in ganz neuem Glanz. Palermo ist Kultur pur. Der erste Weg zu den Denkmälern führt zum riesigen Normannen-Palast. Links und rechts der Hafen-Achse erstrecken sich die Viertel der Altstadt. Dort stehen die steinernen Zeugnisse aller Völker, die Palermo eroberten und verwandelten. Byzantinische Kirchen, Moscheen, klassizistische Kasernen, arabische Schlösser und katalanische Paläste. Jenseits der Kultur eröffnet sich dem Besucher in Palermo eine Trendstadt mit zahlreichen Möglichkeiten, eine schöne Zeit zu verbringen. Besuchen sollte man auch den Markt Vucciria in der Altstadt. Siziliens Hauptstadt mag man lieben oder hassen, Neutralität lässt Palermo nicht zu. Die Inselmetropole vereinigt in sich alle Fragwürdigkeit, alles Elend, aber auch alle Farbenpracht und Vielfalt Siziliens. Palermo hat, gleichgültig wie man zu der Stadt steht, eine spezielle Faszination. Palermo ist eine große Stadt mit etwa 700.000 Einwohnern, doch die meisten interessanten Orte, Gebäude und Plätze befinden sich in. der Altstadt. Kathedrale: Der Bau der gewaltigen Kathedrale auf dem Gelände einer wichtigen arabischen Moschee war im Jahre 1185 durch den englischen Erzbischof von Palermo, Walter of the Mill, begonnen worden. Doch bereits im 6. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine christliche Kirche. Im 15. und 18. Jahrhundert wurden diverse Anbauten vorgenommen, die dem Gebäude trotz aller Monumentalität den Eindruck einer gewissen Flickschusterei verleihen. Der normalerweise genutzte Eingang befindet sich am Südportal, wobei die linke Säule wahrscheinlich von der vormals hier stehenden Moschee stammt, da sie mit einer Inschrift aus dem Koran geschmückt ist. Im inneren sind königliche (Normannen) und kaiserliche Grabstätten, besonders die von Roger ll. (er starb 1154), Henry Vl. (1197) und Friedrich II. 1250) ehrfürchtig zu bestaunen. In einer anderen Seitenkapelle werden. In einem silbernen Sarg die angeblichen Reliquien von Palermos Schutzheiliger Rosalia aufbewahrt. Zum Kirchenschatz gehören zahlreiche wertvolle Objekte, inklusive des Diadems von Constanze von Aragon, der Frau Friedrichs II. Museo Internazionale delle Marionette: Dieses einmalige Museum mit einer großartigen Sammlung von Handpuppen, die nicht nur aus Sizilien, sondern auch aus vielen anderen Ländern stammen, befindet sich an dem meerseitigen Ende der Vittorio Emanuele. Pa!ermos berühmte Puppen sind von 80 Zentimeter bis einen Meter groß, wiegen um die acht Kilogramm und haben bewegliche Kniegelenke. Vucciria: Palermo besitzt eine ganze Anzahl von lauten, pulsierenden und aufregenden Märkten. Der bekannteste ist der "Vucciria". Er befindet sich in einem Irrgarten aus schmalen Gassen nahe der Kreuzung der Via Vittorio Emanuele und Via Roma. Hier werden alle möglichen Produkte feilgeboten, besonders aber Fisch. Piazza Pretoria: Dieser Barockplatz nahe I Quattro Canti genießt eine gewisse Berühmtheit wegen des großartigen Brunnens aus dem 16. Jahrhundert, wenngleich die realistische Nacktheit einiger Figuren die Palermitaner dazu bewogen hat, ihn "Brunnen der Schande" zu taufen. Die Fassade des Rathauses (Municipio) am selben Platz ist mit zahlreichen Plaketten verziert, die an alle möglichen Ereignisse inklusive der Wahlrede Garibaldis im Jahre 1860 erinnern. Palazzo Reale/Palazzo dei Normanni: Der Königliche Palast (der oft auch Normannenpalast genannt wird) war im 9. Jahrhundert ursprünglich von den Arabern errichtet und im 12. Jahrhundert durch Roger II. zum Königlichen Palast umgebaut worden - deshalb die Verwirrung um den Namen. Heute ist das imposante Gebäude Sitz des sizilianischen Regionalparlaments, aber die zugehörige Cappella Paiatina ist für Besucher zugänglich und sollte unbedingt besichtigt werden. Die von Roger II.. gebaute königliche Kapelle ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Ihre geschnitzte Holzdecke stammt von den Mauren, italienische Handwerker sind für die Kanzel sowie die marmornen Wände und schlanken Kerzenhalter verantwortlich. Die Kapelle ist besonders für ihre prächtigen byzantinischen Goldmosaiken aus dem 12. Jahrhundert bekannt. Monreale: Dieses idyllische Bergdorf liegt südwestlich von Palermo. Die großartige normannische Kathedrale gehört zu den berühmtesten Kirchen des Mittelalters. Der Bau dieses Gotteshauses war von Normannenkönig Wilhelm II. im Jahre 1174 in Konkurrenz zur Kathedrale von Palermo begonnen und nur elf Jahre später vollendet worden. Das Innere tröstet über die erste Enttäuschung beim Anblick der eher kargen Fassade hinweg. Die Holzdecke ist bemalt, darüber hinaus sind sämtliche Wände des Innenraums (6340 qm) von Künstlern aus Konstantinopel mit Goldmosaiken verziert worden. In der Grabkammer der Kathedrale werden die Gebeine zweier normannischer Könige aufbewahrt. Zum Kirchenschatz gehören wertvollste Reliquien. Wer den Blick vom Turm auf die Stadt genießen will, muss ein kleines Eintrittsgeld bezahlen. Auch der romanische Klostergarten kann besichtigt werden. Cefalú: Die Fahrt zum etwa 70 Kilometer entfernten Cefalü führt durch Industriegebiete und eher unansehnliche Landschaften an der Küste, doch einmal angekommen, erkennt man sofort, warum es heute einer der liebenswertesten Urlaubsorte an der tyrrhenischen Küste ist. Das kleine Fischerdorf verfügt über einen großartigen Strand, enge Gassen mit zahllosen Geschäften, gute Restaurants und einen Normannendom. Dieser Dom wurde von Roger II. im Jahre 1131 zum Dank dafür errichtet, dass er seine Flotte vor einem schrecklichen Sturm gerade noch retten konnte. Die Bauarbeiten dauerten mehr als 100 Jahre, heute kann im Dom u.a. ein großartiges byzantinisches Mosaik aus dem Jahre 1148 bewundert werden.

Von Edgar J. Herrmann