Der Spreewald ist zu jeder Jahreszeit ein Hit

970 Kilometer Wasserstraßen und Wege von einmaliger Schönheit. Viele symbolträchtige Feste werden gefeiert


Der Spreewald hat in jeder Jahreszeit etwas zu bieten. Wer das von der Unesco anerkannte Biosphärenreservat erleben und erkunden will, muss Zeit, Muße und Geduld mitbringen. Das 75 Kilometer lange und bis zu 126 Kilometer breite Niederungsgebiet mit seinem feinmaschigen Fließwassernetz von sage und schreibe 970 Kilometer Länge ist einmalig in seiner Art. Kaum ist der Winter vorbei, werden die Spreewaldkähne zu Wasser gelassen, damit Sie mit den ersten warmen Sonnenstrahlen das Frühlingserwachen im Spreewald erleben können. Schon zu DDR Zeiten galt der Spreewald als die "besondere Zone", das Wochenend Urlaubs Mekka zog Hunderttausende jährlich in seinen Bann. Alleine die Versorgung lockte viele Bürger rund um Berlin in den Spreewald. Gaumenfreude, ausschließlich aus heimischen Produkten, war gefragt. Kaum ein Berliner oder Brandenburger, der nicht die typischen Spreewälder Gemüse wie Gurken, Meerrettich und Kohl kaufte. Heute kommen viele Gäste aus den alten Bundesländern in den Spreewald und schon müssen Gurken aus Polen und Ungarn die Nachfrage decken. Im Spreewald haben sich noch Sitten und Gebräuche erhalten, deren Wurzeln bis in die slawische Vergangenheit reichen. So die Fastnacht, die im Spreewald fast eine Woche lang gefeiert wird. Fröhlich scharen sich die Burschen und Mädchen zusammen und ziehen verkleidet mit Musik von Haus zu Haus. Sie "zampern", das heißt, sie erbitten mit einem Spruch Gaben für die Fastnacht und die "Kreschaue". Wehe dem Nachbarn, der sich bei der Spende von Eiern, Wurst, Schinken oder auch Geld ausschließen wollte. Als Dank wird auf den Höfen fröhlich getanzt, ganz besonders aber da, wo ein Bursche seine Fastnachtsjungfer weiß. Am Ende des Festes ist der Eierkuchenball oder die "Kreschaue", wo dann die "gezamperten" Gaben verzehrt werden. Das symbolträchtige Osterfest feiern die Spreewälder besonders gerne. Hier dreht sich alles um das Wasser und das Ei. Heimlich schleichen die Mädchen in der Nacht vom Ostersonnabend zum Ostersonntag zum fließenden Wasser, um Osterwasser zu holen, dem besondere Wunderkraft nachgesagt wird. Wer sich darin wäscht, wird besonders schön werden. Auf Flaschen abgezogen aber wird es zum Heilen von allerlei Wunden verwandt. Doch wehe dem Mädchen, welches beim Holen des Osterwassers spricht. Es wird damit seine Zauberkraft zerstören. Ganz klar, dass in solchen Nächten die Burschen den Mädchen nachschleichen und sie necken und so landet manch Eimer Osterwasser dann auf den Köpfen der Mädchen oder Burschen. Über den Zauber aber sollte man nicht lachen. Es gibt ihn eben. Der verbreitetste Brauch zu Ostern ist das Ostereierschenken, das Pingelholen, das heißt, die Kinder besuchen ihre Taufpaten in jedem Jahr bis zur Konfirmation und holen Ostereier. Hier und da wird heute noch ein besonderes Geschenk beigelegt. Als nächstes Fest steht das Pfingstfest an. Da wird nach altem Brauch noch heute das Fest mit Maien geschmückt. Zu diesem Anlass werden Birkenreiser an den Hoftoren befestigt. Ein uralter Erntebrauch ist es, den Kokot zu greifen. Das heißt, am Ende der Ernte wurde unter der letzten Korngabe beim Einfahren ein Hahn versteckt. Wurde er vom Schnitter gefunden und gegriffen, war er sein eigen. Kokot ist das serbische Wort für Hahn. So wird bis in die heutige Zeit am Ende der Ernte hier im Spreewald gesagt: "Wir haben den Kokot gegriffen." Dann wurde und wird heute ein Fest gefeiert, das Hahnrupfen oder Topfschlagen. Die Mädchen in ihren bunten Trachten und die Jungen hoch zu Ross ziehen zum Festplatz. Dort ist an einem bekränzten Tore eine Hahn festgebunden. Der Bursche muss ihn im laufenden Ritt ergreifen, oder aber das Mädchen muss mit verbundenen Augen den im Erdreich versenkten Topf mit dem Dreschflegel treffen. Sieger und Siegerin im fröhlichen Treiben ziehen dann an der Spitze des Festzuges zum Gasthaus zum Tanz. Die Großeltern vermittelten es den Eltern, sie gaben es weiter an die Kinder. So wird die Tradition weitergeführt, damit die Sitten und Bräuche nicht in Vergessenheit geraten. Auch in den Speisen widerspiegelt sich das Brauchtum der Vorfahren. So darf zum Karfreitag der Fisch und zur Kirmes die Gans nicht fehlen. Wer den Spreewald erleben und erfahren möchte, Land und Leute näher kennen lernen und auf eigenen Wegen Erholung und Entspannung suchen will, der sollte Wanderungen mit dem Fahrrad unternehmen. Es gibt im Spreewald ein umfangreiches Netz markierter Wanderwege, die Sie in eine der schönsten Landschaften Europas führen. Am besten offenbart sich die Landschaft dem Wanderer, der sie unbeschwert zu Fuß durchstreift, ohne Hast und mit wachen Sinnen. Der Spreewald ist ein wahres Eldorado für Wasservögel. Zu ihnen gehören Sumpf und Wattvögel, wie die Bekassine und der Große Brachvogel. Der Wiedehopf nutzt die Höhlen in Kopfweiden als Brutplatz. Ein typischer Kulturfolger, der Weißstorch, erreicht im Spreewaldgebiet eine große Bestandsdichte. Jährlich ziehen hier ca. 80 Paare ihre Jungen auf. An den verbliebenen Waldbeständen brütet der scheue Waldstorch. Hier finden auch Kranich und Seeadler geeignete Nistplätze. Soweit nicht schlanke Erlen, mächtige Pappeln oder andere Gehölze das Ufer beschatten, bildet sich in den Fließen eine reiche Wasserpflanzenwelt mit verschiedenen Laichkräutern, Pfeilkraut, Wasserstern, Teich und Seerosen heraus. Durch die Filterwirkung des Spreewaldes verbessert sich die Wasserqualität spürbar. In naturnah verbliebenen Bereichen leben so seltene Arten wie die Quappe und die Flusskugelmuschel. Auch spezialisierte Libellenarten, wie die Gröne und die Asiatische Keiljungfer, weisen auf ökologisch relativ intakte Gewässer hin. Neben dem Eisvogel ist der Fischotter ein Charaktertier des Spreewaldes. Er hat hier eines seiner letzten Reproduktionsgebiete in Mitteleuropa. Camping in der Spreewaldregion als eine zwanglose Urlaubs und Freizeitform hat eine lange Tradition. Im Spreewald und in seiner Umgebung stehen an den 32 Seen auf zwölf Campingplätzen ca. 3.000 Parzellen zur Verfügung. Mit der waldreichen Gegend ohne Industrie bieten sich beste Bedingungen für einen erholsamen Urlaub. Hier kommt sowohl der Ruhesuchende als auch der Aktivurlauber zu seinem Recht. Größere Campingplätze verfügen so über Sportanlagen, Spielplätze und Ausleihstationen. mit seinen 11,7 Quadratkilometern Wasserfläche ist der von der Spree durchflossene Schwielachsee der größte in der ganzen Seenkette. Über die Spree und den Oder Spree Kanal können Freizeitkapitäne die Gewässer Berlins und auch ferne Ziele erreichen. Für Reisemobile sind auf Grund ihrer technischen Ausstattung besonders die Campingplätze in Lübben, Lübbenau, Jessern und Zaue geeignet. Bei Wanderungen entlang der Ufer oder durch Wald und Wiesengebiete erfährt der Erholungssuchende auf zahlreichen Informationstafeln Wissenswertes aus der geschichtlichen Vergangenheit, aber auch über Flora und Fauna. Das Baden ist in fast allen Seen möglich. Besonders Familien mit Kindern schätzen die Erholungsmöglichkeiten an den bewaldeten Ufern der Spreewaldseen. Segeln und Surfen auf den Seen ist für die einen so angenehm wie für die anderen das Angeln in Flüssen und Seen oder das Pilzsammeln in der waldreichen Landschaft. Das einzige Apothekenmuseum des Landes Brandenburg, ein sorgfältig renoviertes Gebäude am Cottbuser Altmarkt, ist in der seit 1573 bestehenden "Löwen Apotheke" eingerichtet worden. Weit über die Stadt hinaus bekannt sind Park und Schloss Branitz. Zu den schönsten Naherholungsgebieten zählt der von Fürst Pückler Muskau geschaffene Branitzer Park. Im Freilandmuseum in Lehde wird man vertraut gemacht mit der bäuerlichen Lebensweise und den natürlichen Gegebenheiten des Spreewaldes. Vom Lübbener Schloss, das ursprünglich von einem Wassergraben umgeben war, kontrollierten vermutlich die damaligen Berggrafen die Spreeübergänge. Heute ist das Schloss mit dem Wappensaal und dem Eheschließungszimmer für Besucher offen. Im agrarhistorischen Museum in Schlepzig wird ein Einblick in die Spreewälder Land und Fischwirtschaft gewährt. Lange Zeit waren die Fliege die einzigen Verbindungswege zwischen den Gehöften und der Holzkahn mit dem Ruder das wichtige Transportmittel. Mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs seit der Jahrhundertwende wurde der Kahn auch das Verkehrsmittel der Spreewaldbesucher. Nutzen Sie die Gelegenheit und lassen Sie sich "auf dem ruhigen Rücken der Spree" durch die Landschaft voller Eigenarten staken. An gegenwärtig sechzehn Kahnabfahrtstellen bieten die Kahnfährleute im Unter und Oberspreewald die vielfältigsten Touren an. Wenn das Wetter es erlaubt, beginnen die Kahnfahrten im April und enden im Oktober. Zu jeder Tageszeit können die Touristen bei Rundfahrten zwischen zwei und acht Stunden die Naturschönheiten des Spreewaldes erleben. Wer selber aktiv sein möchte, kann mit einem Paddelboot 400 Kilometer auf gut ausgeschilderten, befahrbaren Fliegen nach Herzenslust paddeln. Besucher, die mehr über den Spreewald erfahren möchten oder spezielle Interessen haben, wenden sich an die Fremdenverkehrsbüros.

Von Edgar J. Herrmann


Foto : Zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis, der Spreewald



Bild: Edgar J. Herrmann