Bewegte Vergangenheit der Insel

Nur Wildpferde leben auf der Oie.


Wie auf einem Basar wurde jahrelang um eine Miniinsel in der Ostsee gefeilscht. Das zu DDR Zeiten ausschließlich militärisch genutzte Eiland, die Greifswalder Oie im Bodden, wurde an das Land Mecklenburg Vorpommern verkauft. Es soll seinen Naturschutz Status behalten, nur wenige Tagestouristen sollen die 1.550 Meter lange und 570 Meter breite Insel ansteuern können. Kaufinteressenten standen Schlange. Ein Hotel mit Golfplatz und Hubschrauberlandeplatz sollte gebaut werden, ein Nobelbordell-Besitzer wollte die Oie auf seine Art in Beschlag nehmen. Spektakulär auch die Idee des Belgischen Kaufmanns Carl von Basel. Er wollte das 42 Hektar, große Fleckchen Erde zu einem "Totenschrein für handverlesene Sterbliche" machen. Um die Mini Insel in der Ostsee kursierten jahrzehntelang Gerüchte, da nur wenige Personen die Oie besuchen durften. Im zweiten Weltkrieg war die Insel Stützpunkt für die Raketenforschung, die letzte V2 Rakete wurde von hier abgeschossen. 1945 übernahm die Rote Armee das schöne Fleckchen Erde und nutzte dies ebenfalls militärisch, genau wie die NVA der DDR. Diese Eingriffe in die Natur blieben nicht ohne Spuren, die Insel glich einer riesengroßen Müllkippe. Mit der politischen Wende kamen moderne Seeräuber mit Segelbooten und Fischkuttern und nahmen alles mit, was nicht niet und nagelfest war. Plünderungen und Zerstörungen im großen Stil waren an der Tagesordnung. Bestrebungen hatten Erfolg, Zerstörungen auf der Oie einzudämmen. Ein Gesuch des Vereins "Jordsand zum Schutz der Seevögel und Natur e.V." mit Sitz in Ahrensburg kam zur rechten Zeit. Der Verein bemühte sich bereits seit 1991 um die Betreuung der Insel, die Zugvögeln verschiedenen Arten als Rastplatz dient. Jetzt gibt es einen Nutzungsvertrag zwischen Verein und Bund, der den Vogelschützern gleichzeitig die Verkehrssicherungspflicht für die gesamte Insel übertrug. Nach Abschluss des Vertrages begannen Mitglieder des Vereins auf der Oie mit der Sanierung der früheren Ausflugsgaststätte und Pension "Inselhof", die bis 1951 auf der Domäne betrieben wurde. "Die chaotischen Zustände im Inselhof wurden beseitigt, das kostete viel Geld und Zeit", sagte Vereinsvorsitzender Uwe Schneider. Der Verein richtete auf der Oie eine Ausstellung und eine Begegnungsstation ein. Auch das Land Mecklenburg-Vorpommern war nach dem Kauf der Insel an einer langfristigen Arbeit des Vereins auf der Oie interessiert. "Ein Anschlussvertrag zur Nutzung der Insel ist unterschrieben. Mit den Shetlandponys, derzeit noch einzige Beherrscher der Oie und wenigen Tagestouristen kann der Verein gut leben. Wissenschaftliche Arbeit mit Forschern aus aller Welt zum Schutz der Vögel soll betrieben werden. Die Oie ist für den Zug der Vögel vom Baltikum über die Ostsee bedeutender als Helgoland. Gegenwärtig lebt neben den Shetlandponys nur noch die Besatzung eines Seenotrettungskreuzers auf dem urwüchsigen Eiland. Die Herde der Wildpferde ist zutraulich und hat sich bestens an das raue Klima der Oie gewöhnt. Der Rostocker Zoo hat die Patenschaft für die Pferde übernommen. Er sorgt auch für das biologische Gleichgewicht. Eine seltene Pflanzen und Tierwelt bietet die Insel Oie trotz aller Umweltströmungen der letzten Jahrzehnte. Hagebutten, Holunder, Sanddorn und Walnussbäume gedeihen im Überfluss. Eine nicht geringe Zahl der Brutvögel macht regelmäßig Station auf der Insel. Bis zu 28 Arten und über 10.000 Vögel wurden gezählt. An den Klippen der Inselküste soll man den berühmte Bernstein häufig finden. "Wir beabsichtigen, die Insel auch weiterhin für Fahrgastschiffe offen zu halten", so ein Umweltaktivist. Jedoch könne nicht jeder das Eiland anlaufen, wenn er gerade Lust und Laune dazu habe. Dies sei mit dem Schutz der knapp 1,5 Kilometer langen und 570 Meter breiten Insel nicht zu vereinbaren. "Damit nicht 1.000 Leute an schönen Tagen zugleich die Greifswalder Oie bevölkern, gibt es Festlegungen, wie viel Schiffe wie oft hier landen dürfen".

Von Edgar J. Herrmann


Foto 1: Auf der Insel Oie leben seit Jahren die Wildpferde.

Foto 2: Viele Vogelarten nisten auf dem Eiland in der Ostsee, insbesondere

die Lachmöwen.

Foto 3: Nach 50 Jahren militärischer Nutzung wird die Oie wieder der Natur zugeführt.

Markantester Punkt ist der große Leuchtturm.



Alle Bilder: Edgar J. Herrmann