Wahiba Wüste - Offroad Spaß


Die Natur bietet die besten Spielplätze. Bleifuß! Hamid tritt ins Pedal. Die Tachonadel pendelt bei 100 Stundenkilometern. Der Motor faucht, die Federn rasseln, das Auto schwankt. Wie ein angeschlagener Boxer taumelt der Toyota hin und her. Doch wie von Gotteshand gelenkt, hält Hamid den Wagen auf der Piste. "Wackelt wie auf einem Kamel, was?", grinst der schmächtige Mann im hellblauen Gewand und drückt das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. Links und rechts rauschen die Dünenkämme vorbei. Mal filigran geschnitten, mal sanft geschwungen, mal wie wilde Gischt wogend bäumen sich die Sandberge auf. Auf einer mächtigen Düne kommen wir zum Stehen. 200 Meter mögen es dort runter sein. "Lust auf mehr?", fragt Hamid. "Keine Sorge, der Sand ist weich, ist alles gut gepolstert." Mit einem Ruck setzt sich der Wagen wieder in Bewegung und schlingert seitwärts die Düne hinab. Beim Barte des Propheten! Jetzt ein Strauch, und wir würden zu Tal kullern. Doch Hamid versteht sein Handwerk und bringt den Wagen sicher am Fuß der Düne zum Stehen. Die Wahiba-Wüste im Herzen von Oman ist ein Spielplatz für Offroader. Dune Bashing nennen die Einheimischen das Spektakel, bei dem sie wie beim Autoscooter auf dem Jahrmarkt in voller Fahrt durch das Dünenmeer jagen. Doch Sand ist nicht alles in der Wahiba. Gazellen und Hyänen, Mungos und Wildkatzen tummeln sich in der unwirtlichen Landschaft. Kleine Käfer saugen am Morgen das Kondenswasser auf, das der Küstennebel heranträgt, Geckos huschen über die Dünen, Wüstenfüchse schleichen um die struppigen Grasbüschel auf der Suche nach Insekten. Selbst Menschen leben hier: Beduinen ziehen mit ihren Kamelen, Ziegen und tragbaren Palmzweighütten durch die endlose Weite. Einige leben noch wie zu Zeiten des Propheten Mohammed, andere verdienen ihr Geld heute mit dem Tourismus.

Von Edgar J. Herrmann