Stressiges Abenteuer gut überstanden:
Mit dem Motorrad von Bangkok nach Laos.


Was treibt einen Unternehmer dazu, mit dem Motorrad von Bangkok nach Laos zu fahren? Claus Kafarnik, Optikermeister aus Bonn, startete zu einem Abenteuer der besonderen Art und nach seiner Rückkehr hatte er viel zu erzählen. Für das Aktiv-Magazin 50+ schrieb er drei Wochen lang die einzelnen Stationen in sein Tagebuch. Die Idee, Asien per Motorrad zu erkunden, bereitete Claus Kafarnik so manche schlaflose Nacht. Es gibt in Deutschland nicht all zu viele Reiseunternehmer, die solche Trips anbieten. Endlich wurde ein Anbieter in Kiel ausgemacht. Ein Termin über den Jahreswechsel stand schnell fest. Die Gruppe, 10 Motorradfahrer und 2 -fahrerrinnen wollten das Abenteuer Bangkok - Laos in Angriff nehmen. Von Frankfurt ging es mit der Thai-Airways nach Bangkok und anschließend nach Chiaug Mai, der Ausgangsstation. Die Leihmotorräder, alles BMW und Honda, voll geländetauglich, waren in einem recht guten Zustand. Zu der Motorradkarawane gehörte noch ein Jeep - für alle Fälle und als Transportgerät für das Gepäck. Ein Blick ins Tagebuch lässt erahnen, dass die Tour nicht gerade stressfrei würde. Bereits nach 30 Kilometern gab es den ersten Motorschaden. Der Mechaniker Oman war erstmals im Einsatz - leider kann der Thai -Boy nicht helfen. Der Ersatzmotor war für eine Yamaha, aber ein Honda-Motor war nicht aufzutreiben. Eine Ersatzmaschine wurde nach 2 Stunden herbeigeschafft. Endlich waren 10 und 2 Motorradfahrer und -fahrerrinnen in ihrem Element. Steffi und Silvia, die einzigen Frauen, waren Hahn im Korb und fuhren mittendrin. Die ersten 300 Kilometer waren laut Eintrag ins Tagebuch anspruchsvoll mit viel Geröll, Sand und steilen Abfahrten. Das Grenzgebiet von Burma war nach 10 Stunden erreicht. Eine Übernachtung wurde nach vielen Anläufen gefunden - keine 5-Sterne-Hotelanlage, eine mehr nach europäischen Maßstäben gemessene, billige Absteige. Wer einen Motorradtrip nach Asien plant, wird nicht verwöhnt. "Das ist harte Arbeit" - so lautete am 24. Dezember die Tagebucheintragung. Am 1. Feiertag ging es nach Chiang Rai. Die Landschaft ringsum ist traumhaft schön. Die Straßen sind eher Schotterpisten, viele Abschnitte werden im Stehen auf der Geländemaschine abgespult. "Die beste Bandscheibe hält das nicht durch" - so Claus Kafarnik zu Aktiv-Magazin 50+. In Chaing Khoug gab es erneute Probleme. Die Visa waren nicht fertig geworden, der Preis schnellte auf anfangs 1000 Euro, nach zähen Verhandlungen konnte Reiseleiter "Armin" den Preis auf 100 Euro pro Nase drücken (man kann es ja mal versuchen, dachte sich die Touristenpolizei.) Jetzt ist der Planet hoch am Himmel, das Thermometer zeigt 26o an - nachts ist teilweise Frost. Was die Thais können, können die Staatsbeamten in Laos schon lange. Eine Motorrad-Abnahme stand neben der Visa-Pass-Kontrolle zur Begrüßung auf dem Tagesablaufprogramm. Danach ging es in Richtung Hovei Cai und Vieng Phonka in die Berge, bis auf eine Höhe von 2.400 Meter. Egal wo die deutschen Motorradfahrer auftauchten, bildete sich ein Rudel Menschen um sie. Bis zu 250 Einheimische bestaunten die Abenteurer. Bei Musik und Tanz wurde so mancher Abend zum Highlight. Das Bier kostete umgerechnet 3 Euro. Das Essen dagegen für 1 Euro war recht günstig - es ähnelte den chinesischen Essgewohnheiten. Vieng Phonka wurde am fünften Tag angesteuert, die Motorrad-Freaks gefeiert. Weiter ging es am nächsten Morgen nach Oudum Cai. Wie auf der gesamten Strecke gut befahrbare Wege - mal Schotter, Sand oder Asphalt. Vreng Thong wurde angesteuert. Jetzt hatte zu allem Überfluss der Geländewagen eine Panne, konnte aber im Schritttempo weiterfahren bis nach Phone Savan (50 Kilometer). Ein Bolzen hatte seinen Geist aufgegeben. Der Geländewagen wurde bis zum nächsten Tag repariert. In der Zwischenzeit besuchten wir die Ebene der Thonkrüge (Thon Hay Min). Rund 300 große Steinkrüge, manchmal bis zu zweieinhalb Meter Höhe, locken Touristen aus der ganzen Welt an. Keiner weiß genau, woraus die Gefäße angefertigt sind. Die örtliche Sage behauptet: Zement, Büffelhaut, Zuckerrohr, Sand und Wasser sind die Rohstoffe, aus dem sie hergestellt wurden. Am nächsten Tag standen wieder 300 Kilometer auf dem Fahrplan nach Zentral Laos. Hier herrscht ein recht angenehmes, mildes Klima. Herrliche Landschaften, Berge bis zu 2.200 Metern Höhe und viele, vom Vietnam-Krieg übrig gebliebene Höhlen ziehen die "Touris" an. Viele Blindgänger sind dort als Zeugen des wahnsinnigen Krieges übrig geblieben. 31. 12. 06 - In Deutschland knallten die Silvesterböller und wir haben keine Unterkunft gefunden - bis ein Lao-er uns zur Übernachtung sein Massagestudio anbot. Das hätten wir besser gepfiffen. "Ein Drecksloch", steht im Tagebuch vermerkt. Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Am Neujahrstag ging es nach Luaug Prabang. Dort wurde ein Ruhetag genommen. Die Stadt ist Weltkulturerbe. Viele Tempel zählen zu den Ältesten der Welt. Nachmittags machen wir 12 Motorradfahrer eine Bootstour auf dem Mekong - die Mutter aller Flüsse in Asien. Wir bekamen einen Tipp, dass die Touristenpolizei am nächsten Tag alle Papiere und die Motorräder kontrollieren wollte - das heißt, wieder tief in den Geldbeutel greifen. Wir beschlossen am frühen Morgen direkt nach Sonnenaufgang zu starten, bevor die Ordnungshüter uns besuchen kommen. Bei Nacht und Nebel ging es von Luang Namatha in Richtung Chieng Kloug bis nach Chiang Rain - es ging alles gut. Leider habe ich mir unterwegs einen "flotten Otto" geholt. Mir war kotzübel, als ich vor den Laos-Toiletten hing. Ein Loch in der Erde, mit einem Eimer Wasser nachspülen - nichts für feinfühlige Menschen. Langsam ging unsere Tour zu Ende. Von Chiang Rai - Richtung Norden ins Grenzgebiet nach Burma. Noch einmal musste ein schwieriges Gebiet durchfahren werden. Neben einem Plattfuß riss noch die Kette und das vor einer steilen Abfahrt. Ich konnte nicht mehr weiterfahren und musste auf den Jeep umsteigen - auch keine angenehme Fahrt. Insgesamt hat der Pannenteufel des Öfteren zugeschlagen: 6mal Plattfuß, ein Maschinenschaden und ein elektrischer Ausfall - das war es für uns alle. Die letzte Tagebucheintragung: wir sind froh, dass alle Knochen heil geblieben sind. Wir freuen uns auf ein schönes Bad und anschließend ein richtiges Bett.

Wir, das waren:
Armin, der Reiseleiter und seine Partnerin Steffi,
Toni, der Fahrer, ein Thai
Oman, der Mechaniker, auch ein Thai
Die restlichen Motorradfahrer: Silvia, Bernd, Christian aus dem Altmühltal und Christian aus Hamburg, Andreas, Frank, René, Hartmut und Claus aus Bonn

Fazit der Abenteuerreise von Claus Kafarnik: 3.500 Kilometer quer durch Laos war ein riesiges Erlebnis, was wir uns da angetan hatten. Ich glaube, es ist nicht wiederholbar. Es braucht viel Zeit, alle Eindrücke zu verarbeiten. Schon wieder zu Hause sein, gesund und munter - und das alles wurde nicht gerade im jugendlichen Alter bewältigt.

Anmerkung der Redaktion:
Wir danken Herrn Claus Kafarnik, dass er trotz aller Strapazen sein Tagebuch exklusiv für das Aktiv-Magazin 50+ führte.